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Ostthüringer Zeitung: Wolfgang Schütze kommentiert: Schmölln vorverurteilt

Ein Jugendlicher ist gestorben. Ein Somalier, der
sich ohne Familie auf einen langen Weg nach Deutschland gemacht
hatte, um hier sein Glück zu finden. Doch es ist anders gekommen:
Der Junge setze seinem Leben selbst ein Ende.

Damit wäre eigentlich alles gesagt, denn das Schicksal des
Flüchtlings ist tragisch genug. Man könnte nun aufrichtig trauern,
wie es sich gehört. Möglichst still, ohne mediale Lautsprecher.

Doch statt dessen steht der Vorwurf im Raum, Schaulustige hätten
den jungen Mann, der auf dem Fester saß, noch angefeuert, aus dem
fünften Stock zu springen. Für das einstige Zentralorgan Neues
Deutschland und andere Blätter, die weit weg von Schmölln sind, war
die Behauptung in ihrer online-Ausgaben zunächst Tatsache. Auch an
sich Thüringen-kundige Politikerinnen wie Martina Renner (Linke) und
Katrin Göring-Eckardt (Grüne) stimmten sogleich in die
Vorverurteilung ein. Staatlich geförderten Aktivisten wie Mobit
diente der Vorfall dazu, Wasser auf ihre linksdrehenden Mühlen zu
leiten.

So weit sind wir also in Deutschland gekommen: Alles wird für
möglich gehalten. Reflexartig, ungeprüft, hysterisch. Auch, weil es
alles schon mal gegeben hat: Hohn gegen Lebensmüde aller Art,
Pöbeleien und Angriffe gegen Flüchtlinge.

Doch den Sündenfall von Medien und Politikern hat es auch schon
gegeben, damals in Sebnitz. Neonazis haben einen kleinen Jungen
ertränkt, tönte es im Jahr 2000. Doch als sich die Wahrheit
herausstellte, war es ein tragischer Badeunfall. Und die
korrigierenden Texte viel kleiner als die Schlagzeilen.

Damals gelobte die ganze Medienszene Besserung, wollte lieber
zweimal hinschauen als den Wettlauf um die – womöglich falsche –
„Breaking News“ zu gewinnen. Wie es nun in Schmölln scheint, haben
einige nichts gelernt oder nichts lernen wollen. Die Stadt steht
mitten im medialen Hass. Dabei ist es so einfach: eine
Vorverurteilung ist so falsch wie ein Vor-Freispruch. Wissen ist
Macht. Und nichts wissen oder nichts Genaues wissen, macht doch was.

Pressekontakt:
Ostthüringer Zeitung
Redaktion Ostthüringer Zeitung
Telefon: +49 (0) 365  / 77 33 11 13
redaktion@otz.de

Original-Content von: Ostth?ringer Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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