Rheinische Post: Der Papst in Madrid

Unterschiedlicher können die Bilder-Botschaften
nicht sein: Gestern in englischen Städten eine Abfolge von Hass,
Zeugnissen der Hoffnungslosigkeit, tolldreisten Rechtsbrüchen,
Jugendlichen auf dem Ego- und Pöbel-Trip. Und heute in Madrid Tage
des optimistischen Jugend- und Glaubensfestes der Römischen
Weltkirche, mit einem alten Herrn in Weiß – dem personifizierten
Gegenprogramm zu den Geistlosigkeiten der Zeit. Die jungen Katholiken
aus fünf Kontinenten scheinen beim Weltjugendtag in Spaniens
prachtvoller Hauptstadt zu spüren, dass dieser alte Herr in Weiß,
dieser Benedikt XVI. mit seinen scheinbar unmodernen Ansichten in
Wahrheit auf der Höhe der Zeit ist. Benedikt zeigt sich in Madrid
nicht als religiöser Romantiker, nicht als Genussmittel-Verkäufer in
Glaubensdingen. Er fordert christliches Selbstbewusstsein ein,
übrigens auch und sehr zu Recht gegenüber den Zumutungen eines
übergeschnappten Kapitalismus, dem frei nach Brecht das Fressen schon
immer wichtiger war als Moral und Menschlichkeit. Die
Anti-Papst-Demonstranten in Madrid, die kleinlich-peinlich über die
Kosten des Weltjugendtages zürnen, ähneln mehr als ihnen lieb ist den
heillosen Gurus der Geld-gehört-die-Welt-Doktrin.

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