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Rheinische Post: Gutes Missverständnis Kommentar Von Lothar Schröder

Die Wahl des neuen Literaturnobelpreisträgers
ist ein Missverständnis. Weil sie erstens nicht so revolutionär ist,
wie sich die Königliche Akademie zu Stockholm das vielleicht gedacht
oder erhofft haben mag. Die Entscheidung ist nicht einmal spektakulär
jung angesichts des 75-jährigen Singer-Songwriters Bob Dylan, dessen
größte Erfolge jetzt auch schon etliche Jahre zurückliegen. Das
größte Missverständnis aber trifft uns und unsere Anspruchshaltung.
Als sei der Literaturnobelpreis eine Weltmeisterschaft wie jede
andere mit einem unstrittigen Sieger am Ende. In solche Schemata
fügen sich Literatur und Dichtung nicht. Die Wahl – so verblüffend,
empörend und grandios sie jetzt auch genannt wird – ist vielleicht
wegweisend: als Abschied von einem alten kanonischen
Literaturverständnis und als heilsame Irritation eines nur noch
routinierten, um sich selbst kreisenden Kulturbetriebs. Am Ende ist
es ja nicht die Akademie, die Dylan preiswürdig macht. Es sind auch
nicht die Kritiker. Zum Schluss sind immer wir es: die Leser –
pardon: die Hörer. „The Times They Are A-Changin–„.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

Original-Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell

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