Rheinische Post: Israel in Gefahr

von Martin Kessler

Der jüngste Terror militanter Palästinenser hat der Welt klar vor
Augen geführt, dass der jüdische Staat Israel hoch gefährdet bleibt.
Wer glaubte, der Arabische Frühling sei auch eine Chance für die
Sicherheit der bislang einzigen Demokratie im Nahen Osten, sieht sich
nun eines Besseren belehrt. Die Menschen in Israel haben das klar
verstanden. Die Proteste gegen die wachsende Ungleichheit im Lande
sind weitgehend abgeebbt. Wie das Land seine Sicherheit herstellen
kann, ist unklar. Seit die Grenze zwischen dem Gaza-Streifen, wo die
radikal-islamische Hamas regiert, und Ägypten nicht mehr richtig
bewacht wird, tummeln sich Terrorgruppen auf der Sinai-Halbinsel und
können fast ungestört nach Israel einsickern. So brutal es klingt:
Der Terroranschlag von vergangener Woche wird nicht der letzte sein.
Dass Israel auf diese neue Lage höchst nervös reagiert, ist nicht
verwunderlich. Gleichzeitig kann die Regierung in Jerusalem, in der
Nationalisten und Ultra-Orthodoxe den Ton angeben, nicht nur mit
Härte reagieren. Israel muss flexibel handeln: kompromisslos gegen
Terroristen, aber bereit zum Dialog mit den gemäßigten Palästinensern
und vor allem mit der neuen Regierung in Ägypten. Eine fast unlösbare
Aufgabe.

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