Rheinische Post: Kommentar / Etikettenschwindel = Von Annette Bosetti

Die Deutschen werden immer größer und dicker.
Das sagt die Statistik, nach der die Durchschnittsfrau 1,65 Meter
groß ist und 65 Kilo wiegt. Ihr Body-Mass-Index beträgt 24,9 – liegt
im Normalbereich. Ihre Kleidergröße dürfte sich zwischen 40 und 42
bewegen. Doch darüber mag keine Frau so gerne reden. Alles über Größe
38, so scheint es, wird als Makel angesehen. Viele Frauen, besonders
junge, beugen sich dem geltenden Schönheitsideal, nach dem Dürrsein
schön und jedes Mittel recht ist, diesen Zustand zu erreichen. Jedes
vierte Mädchen leidet heute an einer Essstörung. Wenn nun ein
angesagtes Modelabel wie Mango eine Kollektion für die Größen 40 bis
52 auflegt, muss man das begrüßen, schließlich geht der
Massenhersteller mit der Zeit. Dass in der Werbung das Wort Übergröße
mitschwingt, bringt Modeblogger auf die Palme, weil sie dies als
Diskriminierung empfinden. Warum eigentlich? Das Größen-Schildchen
ist doch nur ein Etikett, das nichts aussagt über Proportionen, über
dick und dünn – schon gar nicht über Schönheit. Man sollte es einfach
heraustrennen.

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