Rheinische Post: Kommentar / Falsche Medizin für kranke Banken = Von Antje Höning

Die Sorge von Finanzminister Scholz ist
berechtigt. Während US-Banken zehn Jahre nach der Finanzkrise wieder
Geld verdienen, schleppen sich Deutsche Bank und Commerzbank durch
den Alltag der Minizinsen. Doch die Medizin, die Doktor Scholz
empfiehlt, ist nicht überzeugend. Zwei Kranke, die sich zusammentun,
werden noch lange nicht gesund – erst recht nicht, wenn der Staat die
Infusionen setzt. Entsprechend gequält gab die Deutsche Bank den
Start der Fusionsgespräche bekannt.

Dass Tausende Stellen wegfallen werden, ist dabei noch das
geringste Problem. Das werden sie ohnehin, die Wucht der
Digitalisierung erfasst die Branche gerade erst. Wenn Online-Banking
und Apple Pay Standard werden, braucht man kaum noch Filialen. Die
Probleme sind andere: Wie stark schränkt die Fusion den Wettbewerb
ein? Woher kommt das frische Kapital, das die Kranken stark macht?
Und: Warum sollte den deutschen Banken dieses Mal ein Megadeal
gelingen? An der Übernahme der Dresdner Bank wäre die Commerzbank
fast zugrunde gegangen, an der der Postbank doktert die Deutsche Bank
bis heute herum. Größe allein macht eine Bank nicht gesund, sie
erhöht nur die Gefahr, dass der Steuerzahler sie retten muss.

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