Rheinische Post: Reul muss seine Polizei reformieren

Von Thomas Reisener

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) steht massiv unter Druck. Die
Aufklärung des Missbrauch-Skandals von Lügde müsste eigentlich
Aushängeschild seiner Sicherheitspolitik werden. Reul muss beweisen,
dass er nicht nur rigoros gegen verbotene Fahnen bei Demonstrationen
und Waldbesetzer im Hambacher Forst vorgeht, sondern auch gegen
Verbrecher, die sich an Kindern vergreifen. Vorerst muss er aber eine
Serie von haarsträubenden Polizeipannen einräumen. Deutlicher als in
Lügde wurde Polizeiversagen in NRW selten sichtbar. Das Vorurteil,
ländliche Polizeibehörden seien mit komplexen Fällen überfordert, hat
sich in Lügde in erschreckender Weise bestätigt. Neben den 18
Polizeipräsidien in Großstädten unter polizeilicher Führung leistet
sich NRW 29 solcher ländlicher Polizeibehörden, denen jeweils
fachfremde Landräte vorstehen. Experten kritisieren schon lange, dass
sich kein anderes Bundesland einen solchen Wasserkopf an
polizeilichen Mittelbehörden leistet. Bislang schreckten aber alle
Innenminister vor dem Widerstand der Landräte zurück. Das wird Reul
sich nach Lügde nicht mehr leisten können. Er hat die Polizei
aufgestockt. Nun muss er ihre Struktur reformieren.

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