Rheinische Post: Röttgen bissig, Kraft defensiv

Kommentar von Detlev Hüwel

Wer damit gerechnet hatte, dass das Fernsehduell zwischen
Hannelore Kraft und ihrem Herausforderer Norbert Röttgen schlapp
verlaufen und unentschieden enden würde, erlebte eine Überraschung.
Der Wettkampf war überaus kurzweilig und gespickt mit heftigen
Attacken. Röttgen zeigte sich in den zentralen Themen wie Haushalt
und Energie souverän und sattelfest. Immer wieder griff er die
Regierungschefin an – sachlich, aber unerbittlich. Kraft dagegen
machte mitunter einen genervten Eindruck, auch wenn sie das hinter
einem Lächeln zu verbergen versuchte. Das verwunderte, weil sie
bislang im Wahlkampf entspannt und ausgeglichen gewirkt hat. Beide
Politiker warben für ihre politischen Inhalte, die allerdings sattsam
bekannt sind. Kraft setzte alles daran, ihre Politik der sozialen
Vorsorge als vernünftig zu verteidigen. Pech für sie, dass sie am
Wochenende in einem Interview ungewollt den Eindruck erweckt hatte,
als befürworte sie eine Kita-Pflicht. Das hat sie gestern Abend zwar
noch einmal geradegerückt, aber natürlich hakte Röttgen sofort nach.
Auch dieser Punkt ging an ihn. Alles in allem ein spannendes Duell,
doch die Frage, wohin am 13. Mai auf dem Stimmzettel die beiden
Kreuzchen gehören, muss der Wähler – wie sollte es auch anders sein?
– für sich selbst beantworten.

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