Saarbrücker Zeitung: Kulturpolitiker lehnen Überarbeitung von Märchen und Jugendliteratur ab

Kulturpolitiker des Bundestages wenden sich
gegen Bestrebungen einiger Verlage, in Märchen und klassischer
Jugendliteratur nicht mehr zeitgemäße Wörter auszuwechseln. Der
kulturpolitische Sprecher der Union, Jens Börnsen (CDU), sagte der
„Saarbrücker Zeitung“ (Freitagausgabe), auch wenn in einigen
klassischen Geschichten und Märchen Gewalt verherrlicht, Minderheiten
diskriminiert und Vorurteile aufgebaut würden, „ist es trotzdem nicht
angebracht, Nachbesserungen vorzunehmen, damit sie unserem Zeitgeist
entsprechen“.

Gewalt verherrlichende Filme seien viel schädlicher. Es gebe
Erhebungen, wonach Kinder am Tag 60 Morde im Fernsehen sehen könnten,
so Börnsen. FDP-Experte Burkhardt Müller-Sönksen forderte eine
Debatte im zuständigen Kulturausschuss des Bundestages. Eltern
sollten mit ihren Kindern „pädagogisch motivierte Gespräche“ führen,
„anstatt politisch korrekte und historisch zensierte Kinderbücher
auszuwählen“. Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD), die jetzt Mitglied des Kulturausschusses ist, betonte
gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“: „Wir fangen ja auch nicht an,
Goethe oder Schiller umzuschreiben.“

Auch die Kulturexpertin der Linken, Luc Jochimsen, forderte die
Befassung des Kulturausschusses mit dem Thema. Die Sprache von
Autoren zu verändern, die nicht mehr lebten, „halte ich für falsch“,
sagte Jochimsen der Zeitung.

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