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Schwäbische Zeitung: Leitartikel – Nachbesserung dringend nötig

Julia Klöckner ist nicht gerade die
Rentenexpertin der CDU. Aber sie kommt, wie Andrea Nahles, aus
Rheinland-Pfalz, wo sie mit der SPD konkurriert – und vielleicht ist
das ihr Grund, aus Mainz publikumswirksam mit dem Bruch der Koalition
in Berlin zu drohen. Um es vorwegzunehmen: Diese Koalition wird nicht
an der Rente mit 63 zerbrechen. Schon alleine deshalb nicht, weil der
Wunsch der SPD nach der Frühverrentung gut verschnürt ist mit dem
viel teureren Versprechen der Union, die Mütterrente einzuführen.
Kommt das eine nicht, bleibt auch das andere auf der Strecke. Was
aber spricht gegen die Rente mit 63? Als eine Art „Freibier für alle“
sieht der Wirtschaftsflügel der Union die Regelung. Das sei doch eine
prima Aussicht für all jene, die nicht mehr wollen – vor allem für
gut bezahlte Facharbeiter. Doch gerade die suche man ja händeringend.
Deshalb sei die Rente mit 63 einfach Unfug. Halt, sagen
Gewerkschaften und SPD. Die Rente mit 63 soll doch nur jenen
zugutekommen, die 45 Jahre lang härteste Arbeit geleistet haben, die
einfach nicht mehr können. Und wer Jahrzehnte alles gegeben hat, dem
sollte doch auch die Union zwei Jahre früher die Rente gönnen. Die
Union wird sie gönnen. Aber sie warnt zu Recht, dass die größte
Gefahr eine neue Frühverrentungswelle ist. Die lässt sich mit einer
Stichtagsregelung verhindern, von der ab keine Arbeitslosenzeiten
mehr angerechnet werden. Dann kann niemand mit 61 die Füße auf Kosten
der Rentenversicherung hochlegen, und Konzerne können nicht mehr
ganze Rentnerkolonnen in den vorzeitigen Ruhestand drängen. Auf diese
Stichtagsregelung wird und muss sich Arbeitsministerin Nahles deshalb
einlassen. Für die Mehrheit, für fitte Ältere, gilt in Zukunft
ohnehin ein ganz anderes Signal: Die Union drängt auf eine Aufhebung
des Befristungsverbots für Rentner, so dass Arbeitgeber sie befristet
weiterbeschäftigen können. Das ist vernünftig. Denn insgesamt kann
künftig nur gelten, dass jeder in diesem Land so lange wie möglich
arbeiten – und Rentenbeiträge zahlen – sollte.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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