Sprachprüfungen werden zunehmend abgelehnt¶ Integration ermöglichen¶ Carolin Nieder-Entgelmeier¶

Der Start in ein neues Leben in einem anderen Land mit einer
fremden Sprache ist eine große Herausforderung. Viele Jugendliche, die diesen
Weg gehen, starten ihr neues Leben in Deutschland als Schüler eines
Berufskollegs. In internationalen Förderklassen werden sie maximal zwei Jahre
auf den Weg in das deutsche Schulsystem vorbereitet. In der darauffolgenden
Ausbildungsvorbereitung ist dann aber bereits häufig Schluss, wegen schlechter
Leistungen in Englisch. Die ohnehin schon kurze Schullaufbahn endet mit dem
Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Und das, obwohl es als Ersatz für die
Englisch-Note mit der Prüfung in der Muttersprache eine Möglichkeit im
NRW-Schulgesetz gibt, die genau das in vielen Fällen verhindern könnte.
Stattdessen werden so auch gute Schüler zu Bildungsverlierern, die im
schlimmsten Fall jegliche Motivation verlieren, weil sie bereits als Jugendliche
die Erfahrung machen, dass sie trotz guter Noten nicht vorwärtskommen. Denn mit
einem Hauptschulabschluss nach Klasse 9 haben Bewerber kaum Chancen auf dem
Lehrstellenmarkt. Der Abschluss entspricht offiziell zwar einer Berufsreife,
doch die haben nur die wenigsten Absolventen. Die Folge: Wenn Bewerber Glück
haben, finden sie eine Lehrstelle, scheitern aber dann häufig im ersten Block
der Berufsschule, weil sie schlicht noch nicht reif sind und nicht über
ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Dieses Vorgehen verhindert Integration
und schadet dem Sozialsystem; beides kann sich Deutschland nicht leisten. Das
Beispiel der oftmals gut integrierten Russlanddeutschen, die in den 1980er- und
1990er-Jahren von den Prüfungen in ihrer Muttersprache als Ersatz für eine
Englisch-Note profitiert haben, zeigt, wie wichtig diese Möglichkeit für die
Betroffenen selbst und das Sozialsystem ist. Der Einsatz von Unternehmen,
Schulen und der Flüchtlingshilfe ist nun genau der richtige Weg, um Druck
auszuüben, um Bürokratie abzubauen und Integration zu ermöglichen.

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