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Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu CDU/Merkel

Die sich häufenden Nadelstiche jüngerer
Unions-Abgeordneter sollten bei Kanzlerin Angela Merkel beklemmende
Erinnerungen an die Spätphase der Ära Kohl wachrufen. Zwar wird die
Gruppe „CDU2017“ ihren Protest gegen die Rente mit 63 wohl nicht auf
die Spitze treiben und auch die Forderung nach einer Reformagenda
2020 birgt keine akute Bedrohung fürs Regierungshandeln. Rebellen in
der Union neigen dazu, an Kampfesmut zu verlieren, wenn es zur
Abstimmung kommt. Dennoch können diese Querschüsse die Kanzlerin
nicht kalt lassen.

Für diese Abgeordneten ist Merkel trotz ihrer märchenhaften
Beliebtheitswerte keine Hoffnungsträgerin, sondern eine Bedrohung
eigener Karierreträume. Sie fürchten, dass Merkels Allmacht in der
Union nichts als Wüste hinterlässt und im übelsten Fall die Zeit über
den Unionsnachwuchs in der Opposition hinweggeht. Ähnliche Motive
trieben in den 1990ern die sogenannten „Jungen Wilden“ um Christian
Wulff und Roland Koch an, die Helmut Kohl zwar ebenfalls nicht
stürzen, wohl aber überwinden wollten. Auch sie erreichten in der
Sache nicht viel, setzten aber ein Zeichen, dass es in der Union ein
Leben nach dem Einheitskanzler geben muss.

Pressekontakt:
Stuttgarter Zeitung
Redaktionelle Koordination
Telefon: 0711 / 7205-1225
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