FRANKFURT AM MAIN, 28. August 2025 – Unternehmen, die ihre Versicherungsverträge erneuern oder erweitern wollen, haben derzeit gute Chancen auf bessere Konditionen. In vielen Sparten arbeiten die Industrieversicherer profitabel. Dadurch und durch neue Anbieter, die den Wettbewerb beleben, stabilisiert sich der Markt und teilweise sinken die Prämien. In einigen wenigen Versicherungssparten ist die Lage jedoch herausfordernd – und insbesondere ein Risiko hängt als Damoklesschwert über allen Unternehmen: das (geo-)politische Risiko. Zu diesem Fazit kommen die Risiko- und Versicherungsberater von Willis in ihrem heute veröffentlichten MarktSpot, einem halbjährlichen Trendreport zur Industrieversicherung.
„Die Vielzahl systemischer Risiken verlangt heute ein integriertes Risikomanagement: weg vom isolierten Spartendenken, hin zu einer strategischen Gesamtsicht“, sagt Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei Willis, einem Geschäftsbereich von WTW. Entscheidend für den Zugang zu Versicherungskapazitäten seien überzeugende Präventionsmaßnahmen und detaillierte Risikoinformationen seitens der Unternehmen.
Politische Konflikte sind zentrale Sorge
Trotz der insgesamt stabilen Situation wirft die politische Unsicherheit einen Schatten über die Vertragsverhandlungen 2025. Insbesondere Kreditversicherer verschärfen ihre Risikoprüfung und schauen kritisch auf bestimmte Branchen, etwa den Bau, Industrie, Einzelhandel und Energie. Prämienerhöhungen und gekürzte Deckungslimits sind hier möglich.
Auch die Aktivitäten auf ausländischen Märkten bergen Gefahren, die es abzusichern gilt: „Unruhen und wirtschaftliche Unsicherheiten betreffen viele Länder und damit quasi jedes Unternehmen“, sagt Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich. „Ob internationaler Mittelstand oder Großkonzern – eine vorausschauende Risikoanalyse in allen Regionen muss zwingend zur Risikostrategie gehören.“
Cyber ist auch ein Risiko für Manager
Die Auseinandersetzungen zwischen Staaten werden zunehmend auch auf der digitalen Bühne ausgetragen: Das Risiko durch staatlich gesteuerte Cyber-Attacken nimmt zu und stellt eine weitere Bedrohung für Unternehmen dar. Allerdings profitieren Versicherungsnehmer trotz der verschärften Lage von einem kundenfreundlichen Cyber-Versicherungsmarkt: Der Wettbewerb unter den Cyber-Anbietern ist hoch und es stehen umfangreiche Kapazitäten zur Verfügung. Darüber hinaus hat sich das technische Verständnis der Versicherer weiterentwickelt: Sie passen die Anforderungen an IT-Mindeststandards nun stärker an die Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens an.
„Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten, auch auf Führungsebene“, sagt Nazaruk. „Manager stehen in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine zuverlässige IT-Sicherheit zu schaffen. Versäumen sie das, besteht die Gefahr einer Organisationspflichtverletzung, die sich auch auf die Manager-Haftpflichtpolice auswirken kann.“
Klimarisiken belasten Sachsparte
Ein ähnlich gemischtes Bild zeigt sich im Sachversicherungsmarkt. Nach Jahren der hohen Preise herrschen hier wieder vorteilhaftere Bedingungen. Wachstumsorientierte Versicherer sowie neue Marktteilnehmer stellen mehr Kapazitäten zur Verfügung, wodurch teilweise Preisnachlässe sowie Mehrjahresverträge möglich werden. Bei Klimarisiken und daraus resultierenden Naturkatastrophen zeigen sich die Versicherer jedoch weiterhin zurückhaltend und kalkulieren die Prämien höher. „Schwere Unwetterereignisse sind Teil unserer Realität geworden, die finanziellen Schäden werden weiter steigen“, so Okur. „Daher empfehlen wir unseren Kunden auch, sich nicht allein auf die Versicherung zu verlassen. Gefahren und potenzielle Schäden müssen zuverlässig antizipiert werden, dann ist Absicherung durch Maßnahmen möglich. Das gelingt mit datengestützten Szenarioanalysen.“
Hohe Schäden belasten Kfz-Versicherer
In der verlustbehafteten Kfz-Sparte zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: Zwar konnten die Anbieter im letzten Renewal ihre Verluste der letzten zwei Jahre nicht kompensieren – was auch 2026 teilweise zu Beitragsanpassungen führen wird. Doch die Kapazitäten reichen aus, um selbst anpassungsbedürftige Verträge vor überzogenen Forderungen zu bewahren. Die bisherigen Herausforderungen wie steigende Lohn- und Reparaturkosten (insbesondere im E-Segment) sowie hohe Schäden durch Unwetterereignisse werden die Versicherer weiterhin beschäftigen.
Firmen müssen ihren Beitrag leisten
Trotz aller Herausforderungen ist das Gesamtbild für die Industrieversicherung positiv zu bewerten. Nazaruk: „Tragen Unternehmen ihren Teil zu den Vertragsverhandlungen bei, indem sie fundierte Risikoanalysen zu ihrem Geschäft und zu einzelnen Standorten liefern, Präventionsmaßnahmen ergreifen und frühzeitig in den Dialog mit Versicherern gehen, haben sie gute Chancen auf attraktive Konditionen.“