
Die EU-Kommission hat ihre Konjunktur-Prognose nach unten korrigiert. Schlechte Nachrichten für Unternehmen, die ihr Wachstum auf dem der Gesamtwirtschaft begründen. Resilienz wird zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor – den nur wenige so wahrnehmen.
Absehbare Konjunkturflauten
Die EU-Kommission korrigiert die Prognosen für das Wirtschaftswachstum erneut nach unten. Die 19 Länder der Währungsunion werden demnach ein BIP-Wachstum von nur 1,2% erfahren; noch im Februar ging man von 1,9% aus. Nach einigen Jahren im leichten Aufschwung setzt sich damit ein absehbarer Trend fort. Die Nachhaltigkeitsforschung hat bereits vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft in dieser Hinsicht auf eine Sackgasse zusteuert. Grenzenloses Wachstum ist in der Realität unmöglich. Der so wichtige Resilienz-Gedanke ist nach einem kurzen Aufleben im Zuge der Wirtschaftskrise schnell wieder abgeflaut und fristet trotz seiner enormen Bedeutung für die Zukunft in den letzten Jahren ein Nischendasein.
Unternehmerische Widerstandskraft ist erlernbar
Dabei ist Resilienz nicht nur erlernbar, sondern baut sogar auf Kompetenzen auf, die im modernen Wirtschaftsleben bereits eine wichtige Rolle spielen, wie der Salzburger Executive Interim Manager Siegfried Lettmann erklärt: „Wege zur Widerstandsfähigkeit führen etwa über Agilität, eine bessere Innovationsleistung, Wissensmanagement, starke Geschäftsmodelle und die Einbeziehung und Entwicklung der Mitarbeiter. Das alles sind Fähigkeiten, die moderne Unternehmen ohnehin ausbilden sollten. Viele Unternehmen legen aber leider eine gewisse – auch organisatorisch bedingte – Trägheit an den Tag. Reagiert wird dann häufig erst spät. Maßnahmen müssen gesetzt werden, solange man dafür noch einen guten Bewegungsspielraum hat.“
Sich nicht auf die Konjunktur verlassen
Leider macht es auch die politische Ebene seit Jahren vor: Entwicklungsfragen begegnet man oft mit Argumentationen, die beständiges Wirtschaftswachstum voraussetzen würden. Die Ansicht, dass es allen gut geht, solange es der Wirtschaft gut geht, bedingt Blindheit für den Fall, dass dem nicht mehr so ist. Unternehmen kann deshalb nur dazu geraten werden, Projekte zu starten, die die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen stärken. Denn wann eine Krise tatsächlich als solche auftritt, ist vorab sehr schwer abzusehen. „Für diese Fälle bereits vorbereitet und gestärkt zu sein, wird im unsicheren Umfeld zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil“, wie Lettmann betont. „Unternehmen werden sich immer auf ihre Umfelder einstellen müssen. Das ist bei schwacher Konjunktur nicht anders.“