Bankers – Neue dreiteilige Serie ab Samstag 9. November
Während die Bankenwelt um neues Vertrauen ringt und ihre Bilanzen ordnet, sendet BBC World News eine neue Dokumentarreihe über die nunmehr berüchtigte Zinsmanipulation im Libor-Skandal. Mit hochrangigen Interviews und Expertenanalysen deckt Bankers – Fixing the system einen Skandal auf, der 2012 das gesamte Bankenwesen erschütterte.
Folge eins der dreiteiligen Serie handelt vom Sturz des amerikanischen Bankers und ehemaligen Barclays-Vorstandschef, Bob Diamond. Interviews u. a. mit dem ehemaligen Chef des Barclays Verwaltungsrates Marcus Agius, mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der RBS Group Sir Philip Hampton, dem Deputy Governor der Bank of England Andrew Bailey, mit Jean-Claude Trichet, von 2003-2011 Präsident der Europäischen Zentralbank, Gary Gensler, Vorsitzender der Commodity Futures Trading Commission in den USA und mit Lord Turner, dem ehemaligen Vorsitzenden der britischen Financial Services Authority (2008-2013).
Nach der Finanzkrise von 2008 brachten Regierungen weltweit Milliarden für die Rettung von Banken auf, und auch fünf Jahre später wird das System immer noch mit öffentlichen Geldern gestützt. 2012, mit Ausbruch des Libor-Skandals, wurde das Vertrauen der Menschen in das System jedoch erneut erschüttert. Der Libor ist ein festgelegter Referenzzinssatz, zu dem sich Londoner Großbanken gegenseitig Geld zur Verfügung stellen, der jedoch auch in Amerika und weltweit angewandt wird. Ende 2012 wurde Börsenhändlern dreier globaler Banken – Barclays, RBS und UBS – vorgeworfen, diesen Zinsatz manipuliert zu haben, um sich selbst auf einfache Weise zu bereichern.
Gary Gensler, Vorsitzender der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission im Interview:
„Der Libor ist die Mutter aller Referenzzinssätze. Manche kennen vielleicht Referenzzinssätze in Gold oder Öl, andere denken bei Referenzzinssätzen an Immobilienmärkte und den Verkauf von Häusern. Doch diese Affäre zieht sich durch unser gesamtes Finanzsystem und betrifft uns alle.“
In Bezug auf die Auswirkungen des Skandals fügt Gensler hinzu:
„Es ist unvorstellbar. Verträge in Höhe von 300 Billionen Dollar hängen davon ab. Noch einmal – 300 Billionen Dollar, sechs Mal so viel wie die gesamte Weltwirtschaft!“
Den Wandel der Bankenkultur, die, wie manche glauben, die Bedingungen für die Libor-Affäre geschaffen hat – es wird nicht mehr für Kunden Geld verdient, sondern mit Kunden – kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende der RBS Group, Sir Philip Hampton, so:
„Aufgrund dieses engen Gewinnstrebens haben wir vergessen, welche zentrale Rolle Banken in der Gesellschaft spielen. Es geht nicht nur darum, dass Banken Geld verdienen, sie halten auch den gesamten Handel am Laufen. Sie müssen stabilisieren. Das ist ihre Pflicht und das, was sie dafür zurückbekommen.?
Einige in der Branche hielten die Libor-Manipulation nicht für komplett falsch. Bewusstes Unterbewerten oder „Lowballing“ von Banken bei Libor-Schätzungen, um bei anderen nicht als nicht darlehenswürdig da zu stehen, wäre ja noch verständlich gewesen, hätte man damit erreichen wollen, das System auf dem Höhepunkt der Krise aufrechtzuerhalten.
Martin Taylor, Chief Executive von Barclays (1994-98):
„Für mich ist das kein ernstes Vergehen oder überhaupt eins. Zu der Zeit, als sich Banken gegenseitig kein Geld liehen, gab es kaum noch einen Libor. Den Behörden und Banken ging es in erster Linie darum, Panik zu vermeiden, die eh schon sehr groß war und noch schlimmer zu werden drohte. 2008 wurde unnötig viel Aufhebens darum gemacht, was vielleicht in ein paar Wochen geschehen könnte. Sagen wir mal, ich hatte sehr viel Verständnis für das Ändern der Libor-Zinssätze.?
Lord Turner, der frühere Vorsitzende der britischen Financial Services Authority (2008-2013):
„Es hat gezeigt, dass eine kleine Gruppe von Menschen, die sehr viel Geld bekommen, ihrer Arbeit gegenüber, die für die Weltwirtschaft von enormer Bedeutung ist, extrem zynisch eingestellt war. Sie dachten offenbar nicht daran, sie mit einem gewissen Maß an Integrität zu verrichten, sondern hielten das Ganze mehr für ein Computerspiel, bei dem es völlig legitim ist, andere zu betrügen und auszuschalten.?
Martin Taylor:
„Einer Situation, in der jemand mehr Geld durch Betrügen verdienen kann, können nur die wenigsten widerstehen. So etwas muss dringend kontrolliert werden.?
Auch der frühere Chef des Barclays Verwaltungsrates, Marcus Agius, erzählt im Interview, was er dachte, als er von dem gesamten Ausmaß des Libor-Skandals erfuhr, der auch Bob Diamonds Rücktritt zur Folge hatte:
„Von den Machenschaften der Händler habe ich bei einer unserer regelmäßigen Sitzungen erfahren, an denen das Vorstandskomitee und unsere Anwälte teilnehmen. Mir wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, weil ich wusste, wie abscheulich so etwas ist und welche Auswirkungen das für die Bank haben würde.?
Agius über die Reaktion der Bank in Bezug auf die Berichte der amerikanischen und britischen Regulierungsbehörden zu Barclays? Manipulation von Libor-Zinssätzen und anschließenden Bußgeldern:
„Vor der Bekanntgabe haben wir uns natürlich damit befasst, wie die Öffentlichkeit reagieren würde. Wir haben versucht, die Bösartigkeit dieses Handels mit allen Ausmaßen zu bemessen und dann die Reaktion einzuschätzen. Nach der Bekanntgabe konzentrierte sich die Reaktion der Öffentlichkeit jedoch viel mehr auf die Art des Vergehens und weniger auf das Ausmaß der Schäden. Ich glaube, das hat uns ziemlich überrascht, weil wir die Situation falsch eingeschätzt hatten.?
Bankers ist eine dreiteilige Dokumentarreihe, die u. a. mit Interviews mit Bankenchefs, Regulierungsbeamten und Politikern herauszufinden versucht, was in einer Branche schief lief, die für unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist.
Folge 1 ?Bankers – Fixing the system? auf BBC World News am Samstag 9. November um 02.10, 16.10 Uhr MEZ und Sonntag, 10. November um 10.10 und 21.10 Uhr MEZ.
Folge 2 ?Bankers – Risking it all? erzählt die Geschichte zweier in jüngster Zeit aufgetretener Milliarden Pfund schwerer Börsendesaster in der Finanzmetropole London. Jon Corzine, von MF Global, früherer CEO von Goldman Sachs und Gouverneur von New Jersey, und JP Morgans so genannte Whale Trades zeigen, wie risikofreudig Banker nach dem Crash vor fünf Jahren immer noch sind.
Folge 3 ?Bankers – Payback time? erklärt, wie es zu dem Multi-Milliarden Pfund schweren „Misselling“-Skandal (Verkauf von Versicherungspolicen unter Vorgabe falscher oder irreführender Behauptungen) in Großbritannien kam. Anhand mehrerer persönlicher Schilderungen von Bankenchefs, Verkäufern, Politikern und Kunden macht der Film deutlich, wie sehr sich britische Großbanken in den letzten 30 Jahren verändert haben.
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Judith Huss,
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