Vorinstallierte Apps auf Smartphones: Kaum genutzt und schwer loszuwerden

Marktwächter-Befragung zeigt:
Smartphone-Besitzer wollen selbst entscheiden, welche Anwendungen auf
ihrem Smartphone installiert sind.

Kaum genutzt, schlechte Erfahrungen mit nicht löschbaren Apps,
Sorge um die Privatsphäre und Informationslücken beim Kauf:
Vorinstallierte Apps verärgern viele Verbraucher. Die Mehrheit
wünscht sich ein sparsam ausgestattetes Smartphone ohne
Drittanbieter-Apps. Das zeigt eine internet-repräsentative Befragung
des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Ergebnisse der Marktwächter-Befragung zu vorinstallierten Apps
bringen deutliche Informationslücken zum Vorschein: Knapp sieben von
zehn (69 %) der befragten Smartphone-Nutzer geben an, vor dem Kauf
überhaupt nicht oder nicht genau gewusst zu haben, welche Apps
bereits auf ihrem Smartphone vorinstalliert sein würden. Dies könnte
einer mangelnden Informationspolitik der Smartphone-Anbieter
geschuldet sein: Knapp drei Viertel (73 %) der Smartphone-Nutzer
fühlen sich von den Anbietern nicht ausreichend über vorinstallierte
Apps informiert.

Vorinstallierte Apps: Vorbei an Verbraucherbedürfnissen

Die Mehrheit der Befragten (81 %) nutzt laut eigenen Angaben den
überwiegenden Teil der ab Werk auf dem Smartphone enthaltenen Apps
nicht. Zudem haben drei Viertel (75 %) der Befragten schon einmal die
Erfahrung gemacht, vorinstallierte Apps nicht löschen oder nur
deaktivieren zu können. Vor diesem Hintergrund besonders kritisch:
Rund neun von zehn Nutzern (92 %) finden es wichtig, diese
An-wendungen entfernen zu können. “Mit der vorgegebenen Konfiguration
an vorinstallierten Apps und der oft fehlenden Möglichkeit, diese
grundsätzlich löschen zu können, agieren Smartphone-Hersteller klar
an den Bedürfnissen und Nutzungsgewohnheiten der Verbraucher vorbei”,
erklärt Dr. Michael Walter, Referent im Team Marktwächter Digitale
Welt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Verbraucher sehen vorinstallierte Apps kritisch

Die Befragung gibt darüber hinaus genaueren Aufschluss darüber,
warum Smartphone-Nutzer vorinstallierten Apps kritisch
gegenüberstehen. So stören sich rund neun von zehn Befragten (89 %)
daran, dass nicht genutzte Anwendungen Hardware-Ressourcen, wie
Speicherplatz und Akku, ihres Smartphones verbrauchen. Drei Viertel
(75 %) befürchten darüber hinaus, dass die Apps im Hintergrund – also
ohne aktive Nutzung – persönliche Daten sammeln könnten. “Diese
Sorge”, so Walter, “ist nicht unbegründet. Wie Studien aufzeigen,
räumen sich vorinstallierte Apps nicht selten weitreichende
Zugriffsberechtigungen auf personenbezogene Daten ein und können
bisweilen sogar als Schadsoftware fungieren.”

Weniger ist mehr

Mit 63 Prozent bevorzugt die Mehrheit der Befragten ein
Smartphone, das ab Werk nur mit technisch notwendigen “System-Apps”
(z. B. einer Telefon-App) und wenigen ausgewählten “Hersteller-Apps”
(z. B. einem Internetbrowser) ausgestattet ist. Rund jeder Fünfte
geht sogar noch einen Schritt weiter und wünscht, dass auf neu-en
Smartphones nur System-Apps enthalten sind (21 %). Lediglich 12
Prozent der Befragten präferieren ein Smartphone mit einer möglichst
umfangreichen Ausstattung, die auch Apps von Drittanbietern (z. B.
Social Media Apps) umfasst. Die Befragung zeigt: “Verbraucher möchten
auch in der digitalen Welt nicht die Katze im Sack kaufen. Sie wollen
eine –sparsame– App-Ausstattung ohne die üblicherweise mitgelieferten
Drittanbieter-Apps, um dann selbst entscheiden zu können, welche
Anwendungen sie auf ihrem neuen Smartphone haben möchten”, fasst
Walter die Ergebnisse zusammen.

Die Verbraucherbefragung bildet den Auftakt zu einer vertiefenden
Untersuchung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen zu vorinstallierten Apps, die das Thema
Datenschutz und Datensicherheit in den Blick nimmt.

Methodik:

Online-Befragung (CAWI). Stichprobe: 1.000 repräsentativ
ausgewählte Smartphone-Nutzer ab 16 Jahren. Untersuchungszeitraum: 6.
Juni bis 11. Juni 2019. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3,1
Prozentpunkte. Institut: hopp Marktforschung, Berlin.

Über den Marktwächter Digitale Welt:

Der Marktwächter Digitale Welt ist ein Frühwarnsystem mit dem der
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen
den digitalen Markt aus Perspektive der Verbraucher beobachten und
analysieren. Grundlage für diese Arbeit sind Verbraucherbeschwerden,
empirische Untersuchungen und ein interaktives Onlineportal. Mit dem
Marktwächter Digitale Welt können auch Aufsichts- und
Regulierungsbehörden wie zum Beispiel die Bundesnetzagentur (BNetzA)
bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Marktwächter Digitale Welt
setzt sich aus fünf Schwerpunktverbraucherzentralen zusammen, die
jeweils ein Handlungsfeld des digitalen Marktes näher untersuchen:
Bayern – Digitale Dienstleistungen, Brandenburg – Digitaler
Wareneinkauf, Nordrhein-Westfalen – Nutzergenerierte Inhalte,
Rheinland-Pfalz – Digitale Güter und Schleswig-Holstein –
Telekommunikationsdienstleistungen. Der Marktwächter Digitale Welt
wird finanziell gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und
für Verbraucherschutz (BMJV).
http://www.marktwaechter.de/digitalewelt

Pressekontakt:
Ute Böhm | Redakteurin Marktwächter Digitale Welt
Verbraucherzentrale NRW e.V.
Tel. (0211) 3809 -459
ute.boehm@verbraucherzentrale.nrw

Timo Beyer | Leiter “Marktwächter Kommunikation”
Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv)
Tel. (030) 25800 -529
timo.beyer@vzbv.de

Original-Content von: vzbv – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., übermittelt durch news aktuell

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