WAZ: Ohne Cromme geht es (noch) nicht. Kommentar von Thomas Wels

Heute also ist der Tag der Abrechnung. Die
Eigentümer des Konzerns Thyssen-Krupp haben das Wort. Und sie werden
nach den Erschütterungen im Dezember davon reichlich Gebrauch machen.
Drei Vorstände weg, fünf Milliarden Euro Verlust, Dutzende Manager
rausgeworfen wegen unsauberer Geschäfte – es gibt nichtigere Anlässe,
auf den Putz zu hauen. Es gibt auch geringere Anlässe, bei denen die
Frage nach der Gesamtverantwortung gestellt wurde: Muss der
Vorsitzende des Aufsichtsrates Gerhard Cromme angesichts dieses
Schreckens die politische Verantwortung übernehmen, selbst wenn er
vom Vorstand falsch informiert wurde? Oder: Ist ein mehr als zehn
Jahre amtierender Aufsichtsratschef nicht zwangsläufig Teil einer
Unternehmenskultur aus „Seilschaften und blinder Loyalität“
(Konzern-Chef Hiesinger)? Es gibt gute Gründe, die Frage mit Ja zu
beantworten. Eben wegen der Größe des Desasters, des Bedürfnisses
nach einem Neustart, nach Übernahme der Gesamtverantwortung. Es gibt
aber auch den guten Grund, die späte, aber immerhin begonnene
Erneuerung nicht durch ein Führungsvakuum zu gefährden. Thyssen-Krupp
muss die schwerste Krise seiner Geschichte bewältigen. Darum geht es
in erster Linie.

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