WAZ: Viel Geld für etwas Menschlichkeit – Kommentar von Ulf Meinke

Ein paar persönliche Worte für etwa 40 Euro im
Monat: Ein kleines bisschen Menschlichkeit will sich die Deutsche
Post gut bezahlen lassen. „Post Persönlich“ nennt der Bonner
Briefkonzern ein Betreuungsangebot, das es ab Anfang Juli in den
Ruhrgebietsstädten Gelsenkirchen und Mülheim geben soll. Zielgruppe
sind ältere oder behinderte Menschen, bei denen die Postboten
regelmäßig klingeln und nachfragen sollen, wie es denn geht. Vor
allem an besorgte Angehörige scheint sich das Angebot zu richten.

Mag sein, dass es für eine solche Dienstleistung tatsächlich einen
Markt gibt. Dennoch versprüht die Geschäftsidee eine gewisse
Tristesse. Schon beim Namen „Post Persönlich“ fängt es an. Ist denn
die Deutsche Post sonst unpersönlich? Früher soll es das Schwätzchen
an der Haustür gratis gegeben haben. Ach ja, sonntags lässt sich
übrigens niemand an der Haustür der Post-Persönlich-Kunden blicken.
An diesem Tag werden schließlich auch keine Briefe zugestellt. In
dieser Logik gibt es Menschlichkeit eben nur werktags.

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