WAZ: Von der Leyens mutiger Vorstoß – Kommentar von Walter Bau

Mit ihrem Vorstoß für eine familienfreundliche
Bundeswehr hatte Ursula von der Leyen reichlich Spott geerntet; die
Verteidigungsministerin wolle wohl Bobbycars statt Drohnen für die
Truppe ordern, ätzten ihre Kritiker. Nun legt von der Leyen nach –
und schlüpft forsch in die Rolle der Weltpolizistin. In kernigen
Worten bereitet sie die Truppe auf ein größeres Engagement im Ausland
vor. Die Ausweitung der Mission im afrikanischen Krisenland Mali soll
dabei offenbar nur der erste Schritt sein.

Ihr Vorpreschen zu diesem Zeitpunkt ist mutig. Die Bundeswehr
steckt nach Abschaffung der Wehrpflicht mitten in einer heiklen
Reform und muss zudem mehrere Affären verarbeiten. Gleichzeitig
fiebern die Soldaten dem Ende des Afghanistan-Einsatzes entgegen.
Ihre Auslandsmissionen, nicht nur am Hindukusch, finden bei den
Bürgern nur noch wenig Rückhalt.

Trotzdem: Von der Leyen hat eine wichtige Debatte angestoßen.
Deutschland muss endlich klären, wie es sich bei internationalen
Einsätzen verhält. Ein peinliches Herumeiern wie bei Libyen darf sich
nicht wiederholen. Um eine Erkenntnis wird Berlin dabei nicht
herumkommen: Ihr gewachsenes politisches Gewicht verpflichtet die
Bundesrepublik zu mehr Verantwortung. Das gilt auch für die
Beteiligung an Militärmissionen.

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