Wenn während des Webinars die Drohnen fliegen: Wie der Krieg im Iran den Dubai-Immobilienmarkt trifft

Wenn während des Webinars die Drohnen fliegen: Wie der Krieg im Iran den Dubai-Immobilienmarkt trifft
(©HausHirsch)
 

Am vergangenen Samstag, den 28. Februar, hatte DubaiView, der Dubai-Ableger des deutschen Immobilienmaklers HausHirsch, ein Investoren-Webinar für den dänischen Markt angesetzt. Rund 100 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Um 11 Uhr deutscher Zeit ging Mario Costa, CEO und Gründer von DubaiView, live aus dem Büro in Downtown Dubai. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten iranischen Raketen bereits in Abu Dhabi eingeschlagen.

Acht Teilnehmer erschienen im Call.

Wenige Stunden später schlug eine Drohne unweit des Büros ein, aus dem Costa das Webinar gehalten hatte. In Sprachnachrichten, die das Team in Deutschland von seinen Maklern in Dubai erhielt, war im Hintergrund Luftalarm zu hören.

„Es ist surreal“, sagt Viktor Fink, Mitgründer und CMO von DubaiView. „Morgens bereitest du ein Webinar über Renditeobjekte in der Marina vor, nachmittags hörst du Sirenen in den Sprachnachrichten deiner Kollegen. Das sind Momente, in denen man kurz innehält und dann weitermacht, weil die Menschen vor Ort genau das auch tun.“

Kurzfristiger Schock, langfristiges Vertrauen

Die Auswirkungen auf das Tagesgeschäft sind spürbar. Die Nachfrage nach Informationen ist seit dem Wochenende stark gestiegen, während konkrete Kaufentscheidungen vorerst auf Eis liegen. „Aufgeschoben, nicht aufgehoben, so würde ich die Stimmung beschreiben“, so Fink. „Die meisten unserer Kunden sagen nicht: Ich will nicht mehr. Sie sagen: Ich will verstehen, was passiert.“

Nach aktuellem Stand sind die Schäden an Wohnimmobilien in Dubai begrenzt. Betroffen waren vor allem öffentliche Infrastruktur und einzelne touristische Landmarks. Die Fundamentaldaten des Marktes – steuerfreies Umfeld, wachsende Bevölkerung, diversifizierte Wirtschaft, bleiben intakt.

Was frühere Krisen zeigen

Wer auf die Geschichte des Dubai-Immobilienmarktes schaut, erkennt ein Muster: Die Stadt wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach abgeschrieben. Nach der Finanzkrise 2009, als die Immobilienpreise um fast 50 Prozent einbrachen, während der diplomatischen Krise mit Katar 2017 und zuletzt während der Pandemie 2020, als Expats scharenweise das Land verließen.

Jedes Mal folgte auf den Einbruch eine Erholung, die schneller und stärker ausfiel, als die meisten Beobachter vorhergesagt hatten. Das liegt an einem einfachen Mechanismus: Dubai reagiert auf Krisen nicht mit Abwarten, sondern mit Investitionen, in Infrastruktur, in Regulierung, in neue Anreize für internationale Käufer. Die Frage ist also weniger, ob sich der Markt erholt, sondern wie schnell und wer dann positioniert ist.

„Niemand kann vorhersagen, wie sich die geopolitische Lage in den nächsten Wochen entwickelt“, sagt Fink. „Aber wer den Dubai-Markt kennt, weiß: Diese Stadt hat eine fast schon trotzige Fähigkeit, sich nach Rückschlägen neu zu erfinden. Wer jetzt in Panik alles hinwirft, könnte in zwölf Monaten bereuen.“

HausHirsch hat als Reaktion auf die Lage sämtliche Werbemaßnahmen für DubaiView pausiert und kontaktiert Bestandskunden proaktiv und persönlich. „Das ist nicht die Zeit für Marketing“, sagt Fink. „Das ist die Zeit für Ehrlichkeit.“