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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Wahlen in Frankreich

»Stärker als jede Armee ist eine Idee, deren
Zeit gekommen ist«. Ist nach diesem Diktum von Viktor Hugo die Zeit
für den Front National, mithin für mehr Nationalismus in Frankreich
gekommen? Die Zeichen sprechen dafür. Aber es gibt bei genauerer
Betrachtung viele Fragezeichen.

Gewiss, die Zeit ist reif, Konzepte wie den Euro oder Schengen
einer Prüfung und Korrektur zu unterziehen, bevor der
Wirklichkeitstest sie vollends zur Makulatur macht. Aber kann das der
Front National leisten oder wird er das europäische Kind nicht mit
dem Bade ausschütten?

Sicher, die Zeit ist reif, auch den Islam allgemein und in Europa
im besonderen auf seine Zeitgemäßheit hin zu befragen, so wie manche
aufgeklärte Geister das mittlerweile auch tun, erst recht nach dem
13. November. Aber ist der Front National zu einer Disputatio mit
Argumenten und ohne Zornesröte dazu fähig?

Und klar, das politisch-mediale Establishment steckt in Frankreich
in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Zu schnell werden
Andersdenkende verächtlich abgetan und ins Abseits gestellt mit dem
Habitus des sich besser dünkenden Menschen, der immer besser weiß,
was gut ist für die Allgemeinheit. Diese Überheblichkeit, die man in
allen Parteien, vor allem aber im linken und grünen Lager gehäuft
vorfindet, macht wütend und treibt die Geächteten zu Parteien
außerhalb des Establishments. Das ist in Frankreich mit seinem fast
feudalistischen Klassendenken seit Jahrzehnten zu beobachten und in
Deutschland übrigens seit einiger Zeit auch. Aber sind Populisten vom
Schlag einer Marine Le Pen in der Lage, enttäuschte Wähler zu halten,
also dauerhaft zufrieden zu stellen?

All diese Fragen führen zu einer einzigen: Wie sieht das Programm
des Front National aus? Wer auch hier genauer hinschaut, wird
feststellen, dass es ziemlich vage gehalten ist und vor allem gegen
die etablierte politische Klasse und ihre Selbstbedienungsmentalität
wettert. Das aber ist das klassische französische Phänomen des
Poujadismus, jener Protestbewegung, die auf einen Buchhändler in den
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zurückgeht und die durch
den Protest gegen Steuergesetze zu einer gewissen zeitweiligen Blüte
gelangte. Sie währte ein paar Sommer lang. Jugendchef dieser Bewegung
war übrigens Jean-Marie Le Pen, der Vater der Vorsitzenden und
Gründer des Front National.

Mit anderen Worten: Der politische Reifetest für den Front
National steht noch bevor. Er könnte ihn bestehen, wenn er das
politische Programm, vor allem den Wirtschaftsteil, änderte. Hier
sind ihm die bürgerlichen Parteien noch ein gutes Stück voraus. Aber
die allgemeinen Zukunftsfragen zu Europa und dem Islam sind ernst zu
nehmen. Ihrer werden sich die bürgerlichen Parteien auch annehmen.
Deshalb, solange das Programm des Front National so bleibt wie es
ist, war am Sonntag ein Tag der Abrechnung gekommen, die Zeit für
eine neue Idee noch nicht.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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