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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Deutschen Bank

Wie lange sind sieben Jahre? Aus Sicht der
Deutschen Bank sind sie offenbar lange genug, um eine für richtig
erkannte Strategie über den Haufen zu werfen. 2008 erwarb das
größte deutsche Geldinstitut als Lehre aus der Finanzkrise eine
Beteiligung an der Postbank. Das Geschäft mit einer breiten
Kundschaft war als Gegengewicht zum zeitweise renditestarken, aber
riskanten Investmentbanking gedacht. Schon damals gab es Zweifel, ob
der blaue Riese der richtige Partner für die gelbe Bank des kleinen
Mannes ist. Am Ende scheiterte die Deutsche Bank daran, dass die
ehemaligen Postler ihre Gewinnvorstellungen nicht erfüllen konnten.
Das kann das eigene Privatkundengeschäft allerdings auch nicht,
weshalb das Management um Jürgen Fitschen und Anshu Jain mehr als
jede vierte Filiale schließen will. Konsequent wäre es gewesen, das
gesamte Privatkundengeschäft abzugeben. Dazu aber konnte sich das
Institut offenbar doch nicht durchringen. Aktionäre, jedenfalls die
mit dem großen Geld, mögen keine halben Sachen. Dass die einzige,
wirklich globale deutsche Großbank es gemessen am Börsenwert gerade
noch unter die 50 wertvollsten Institute schafft, passt ihnen
überhaupt nicht. Deshalb, und weil die geplante Trennung von der
Postbank schon vorher bekannt geworden war, straften die Anleger die
Aktie gestern ab. Lob gab es dagegen von Verdi. Gewerkschaften
bevorzugen eher die sanften Übergänge – im Interesse der
Beschäftigten. Sieben Jahre erscheinen lange genug, um die Risiken
des Investmentbankings auszublenden. Das ist umso erstaunlicher, als
viele Verfahren und Strafen, denen sich die Deutsche Bank im
Augenblick ausgesetzt sieht, ihre Ursache großteils in diesem Umfeld
haben. Erst vor wenigen Tagen verhängten US- und britische Behörden
die Rekordsumme von 2,3 Milliarden Euro, weil das Institut an
führender Stelle in die Manipulation von Zinssätzen verwickelt war.
In dem Zusammenhang legte die Deutsche Bank weitere 1,5 Milliarden
Euro für juristische Streitfälle zurück. Zum Vergleich: Die
Commerzbank, Nummer zwei der deutschen Geschäftsbanken,
erwirtschaftete im Jahr 2014 insgesamt einen Gewinn von gut 600
Millionen Euro. Nicht nur der Erwerb der Postbank, auch die
Finanzkrise liegt sieben Jahre zurück. Aber offenbar verblassen
Kosten in der Erinnerung schneller als die zeitweise hohen Gewinne.
Ihnen hat Anshu Jain überhaupt seinen Aufstieg an die Spitze der
Deutschen Bank zu verdanken. Alle Skandale prallten bisher an ihm ab.
Eine persönliche Verwicklung wurde ihm in keinem Fall nachgewiesen.
Auch deshalb hat er nun Oberwasser gegenüber seinem älteren Kollegen
im Vorstandsvorsitz, Jürgen Fitschen. Dieser genießt zwar im
deutschen Mittelstand großes Vertrauen, muss sich aber von heute an
vor dem Münchner Amtsgericht wegen versuchten Betrugs im Kirchprozess
verantworten.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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