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Westfalenpost: Stefan Hans Kläsener zur Heiligsprechung zweier Päpste

Das Schlimme am Tod ist, dass man keinen Einfluss
darauf mehr hat, was über einen erzählt wird. Keine schöne
Vorstellung. Nichts kann man mehr korrigieren, das Leben selbst
sowieso nicht, aber nicht einmal die Deutung darüber. Im familiären
Zusammenhang mag das erträglich sein – man weiß, wer einen mochte und
wer eher nicht. Aber bei Päpsten? Bei Päpsten ist es eigentlich nicht
anders. Ein jeglicher nutzt die Figur, die er mag, für seine Zwecke,
und notfalls interpretiert er sie auch für seine Zwecke um. So wurde
Giovanni XXIII. zu einem schlitzohrigen Onkelchen stilisiert, der mit
der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche
umkrempeln wollte. Und dann zu früh starb. Über Johannes Paul II.,
der sich also bewusst nach Giovanni und dessen Nachfolger Paolo
nannte, sagt eine gegenüberliegende Fraktion innerhalb der Kirche: Er
habe in allen dogmatischen Fragen der Versuchung widerstanden, die
Kirche zu liberalisieren. Dass dieser Papst nebenbei Weltgeschichte
geschrieben hat, weil er mit einer eher linken Sozialpolitik,
gespeist aus seiner polnischen Vergangenheit und mit einem gesunden
Misstrauen gegenüber dem schieren Kapitalismus gesegnet war, wird
gern unter den Teppich gekehrt. Wenn es denn zwei Heilige sind, über
die jeder seine eigene Meinung haben darf, dann hören wir doch genau
zu, was sie uns mit ihrem Leben zu sagen haben.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

Weitere Informationen unter:
http://


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