Widerwärtig / Kommentar von Rainer Schlender zur Awo

Die Ruhe war trügerisch. Wochenlang wurde jede neue Enthüllung
über das skandalöse Geschäftsgebaren bei der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und
Wiesbaden gelangweilt mit dem Hinweis quittiert, bald werde es Transparenz und
einen Neuanfang geben. Krisensitzungen wurden einberufen, Sonderermittler
berufen; ein Interventionsteam des Bundesverbandes kam und wurde freundlich
wieder nach Hause geschickt. Während ringsumher die Menschen mit Unglauben die
Meldungen über das pralle Leben der Awo-Führungskaste hörten und lasen, saß eine
kleine Clique von Funktionsträgern im Auge des Hurrikans und bastelte in aller
Seelenruhe an der Legende, dass die Beschuldigten sehr wohl selbst für die
Aufklärung der Vorwürfe sorgen können. Mit dieser zynischen Ignoranz dürfte es
jetzt vorbei sein. Die Staatsanwaltschaft hat die Kavallerie ausgeschickt und
die Mauern der Trutzburgen gestürmt, in die sich die Verantwortlichen
zurückgezogen haben. Wenn nur die Hälfte der Geschichten stimmt, die man aus
Awo-Kreisen zu hören bekommt, stehen ihnen nun viele ungemütliche Tage bevor.
Ungemütlich müssen sich aber auch all jene fühlen, die von den feudalen
Zuständen im Awo-Reich wussten – auch wenn sie von den Gierexzessen selbst nicht
profitierten. Man muss sich immer vor Augen halten, dass diese Dinge sich
ereigneten, während das Personal in den Pflege- und Seniorenheimen der Awo kurz
gehalten wurde. Oben schlugen einige sich die Bäuche voll, anderen wurden der
Lohn und das Weihnachtsgeld gekürzt. Widerwärtig.

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