Anis Amri offenbar auch an Anschlagsplanung auf Berliner Gesundbrunnen-Center beteiligt

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Breitscheidplatz-Attentäter war laut Ermittlungsakten stärker in
der internationalen Dschihadisten-Szene vernetzt als bisher bekannt

Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, wollte
ursprünglich offenbar mit weiteren Islamisten einen
Sprengstoffanschlag auf das Berliner Einkaufszentrum
Gesundbrunnen-Center verüben. Das ergibt sich aus Ermittlungsakten,
die ein Rechercheteam der Berliner Morgenpost, des Rundfunk
Berlin-Brandenburg (RBB) und des ARD-Politikmagazins KONTRASTE
einsehen konnte. Demnach sollen sich zwei mit Amri mutmaßlich
befreundete Islamisten spätestens im Jahr 2016 Sprengstoff für einen
Anschlag beschafft haben. Der Generalbundesanwalt geht davon aus,
dass Amri in die Anschlagsplanung einbezogen war.

Die Gruppe soll geplant haben, bei dem Anschlag den hochexplosiven
Sprengstoff TATP (Triacetontriperoxid) einzusetzen. Er lagerte laut
Generalbundesanwalt im Oktober 2016 in der Wohnung des im August
vergangenen Jahres festgenommenen russischen Islamisten Magomed-Ali
C. im Berliner Stadtteil Buch. Sein Mitstreiter, der bereits im April
2017 in der französischen Küstenstadt Marseille festgenommene Clément
B., soll zur Vorbereitung des Anschlags im sozialen Internet-Netzwerk
Instagram neben Dschihadisten-Propaganda ein Foto des
Gesundbrunnen-Centers eingestellt haben. Der Generalbundesanwalt
wertet dies laut den Dokumenten als Hinweis auf ein mögliches
Anschlagsziel.

Das Instagram-Konto habe der konspirativen Verständigung dienen
sollen. Zugang zu dem Konto hatte den Unterlagen zufolge auch Anis
Amri. Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden soll sich der Tunesier
nur einen Tag später für rund 40 Minuten im Gesundbrunnen-Center
aufgehalten haben. Das ergibt sich aus einer erst nach dem
Breitscheidplatz-Anschlag erfolgten Auswertung der Standortdaten
seines Handys. Auch diese Auswertung liegt der Berliner Morgenpost
und dem RBB vor.

Die Berliner Polizei kannte die mutmaßlichen Anschlagsplanungen im
Herbst 2016 offenbar nicht. Im Rahmen einer Observation des als
gewaltbereit bekannten Islamisten Magomed-Ali C. klingelten
Polizeibeamte am 26. Oktober 2016 an dessen Wohnungstür und wollten
eine Personenüberprüfung durchführen. In der Wohnung soll sich auch
Clement B. aufgehalten haben. Aufgeschreckt von dem Besuch der
Beamten ließen die Islamisten laut Ermittlungsergebnissen von ihrem
mutmaßlichen Anschlagsplan auf das Gesundbrunnen-Center ab.

Clément B. floh demzufolge wenige Tage später nach Frankreich.
Nach seiner Festnahme in Marseille hörten die dortigen Behörden in
der Untersuchungshaft Gespräche mit seinem Vater ab. Dabei soll B.
auch über den missglückten Anschlagsplan und den Besuch der Berliner
Polizisten gesprochen haben. Die Polizisten hätten angeblich alles
kaputt gemacht, wären sie nicht gekommen, hätten Anis Amri und seine
“Kumpel” sich sicher in die Luft gesprengt. Der Generalbundesanwalt
wertet diese Aussage als weiteren Hinweis, dass auch Anis Amri in den
Plan für einen Anschlag auf das Gesundbrunnen-Center involviert war.

Die Anschlagspläne gaben Amri und Clement B. laut
Generalbundesanwalt auch nach dessen Flucht nach Frankreich nicht
auf. Aus Abhörprotokollen geht hervor, dass B. seinem Vater
mitgeteilt haben soll, dass sie zeitgleich in Berlin, Paris und
Brüssel zuschlagen wollten. Laut Ermittlungsakten versuchte Anis
Amri, Clement B. noch am Tag vor dem Anschlag auf dem
Breitscheidplatz zu erreichen. Der Versuch blieb jedoch erfolglos.
Entgegen der mutmaßlichen Absprache entschloss er sich am 19.
Dezember 2016 in Berlin zu einem Alleingang. Er tötete den Fahrer
eines Lkw und fuhr mit diesem auf den Weihnachtsmarkt am
Breitscheidplatz, wo er elf weitere Menschen tötete.

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