Auch wenn Pflegeaufgaben enden – Frauen bleiben am Arbeitsmarkt benachteiligt

Eine aktuelle Studie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels
(SOEP) zeigt: Frauen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Angehörige
pflegen, haben nicht nur während dieser Phase schlechte Chancen ihre Arbeitszeit
zu erhöhen. Denn endet die Pflegetätigkeit, finden sie selten zurück in eine
Vollzeitbeschäftigung.

Innovativ an der Studie ist, dass hier nicht der oft untersuchte Effekt im
Mittelpunkt steht, ob Frauen, die sich um Familienangehörige kümmern, ihre
Arbeitszeit reduzieren oder ihre Erwerbstätigkeit gänzlich unterbrechen.
Stattdessen wird hier umgekehrt untersucht, wie wahrscheinlich es für Frauen
ist, während einer aktuellen Pflegephase oder nachdem eine Pflegephase beendet
worden ist, die Arbeitszeit zu erhöhen.

Es zeigt sich: Für Teilzeit beschäftigte Frauen mit familiären
Pflegeverpflichtungen ist es weniger wahrscheinlich in Vollzeit zu wechseln als
für Frauen ohne Pflegeverpflichtungen. Dies trifft allerdings nur für Frauen zu,
die intensive familiäre Pflege von mehr als zwei Stunden täglich leisten.
Überraschend ist, dass die Wahrscheinlichkeit in Vollzeit zu wechseln auch nicht
steigt, wenn die familiäre Pflegephase vorüber ist.

Dr. Ulrike Ehrlich, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für
Altersfragen, erläutert: “Anhand unserer Analyseperspektive wird deutlich, dass
Frauen, die erwerbstätig sind und pflegen, ein Vereinbarkeitsproblem haben: Sie
reduzieren ihre Erwerbstätigkeit nicht nur infolge von familiären
Pflegeverpflichtungen, sondern sie sind während einer Pflegephase aufgrund
zeitlicher Engpässe auch seltener in der Lage ihre Arbeitszeit zu erhöhen.
Darüber hinaus zeigen wir, dass Frauen nach der Beendigung einer Pflegephase in
der sogenannten Teilzeitfalle feststecken: Obwohl sie die zeitlichen Ressourcen
für eine Aufstockung der Arbeitszeit hätten, erfolgt diese nicht. Der wenig
flexible deutsche Arbeitsmarkt bietet Angestellten bisher wenig Möglichkeiten,
ihre Arbeitszeit entsprechend ihren persönlichen Lebensumständen anzupassen.”

Hier sehen die Autorinnen der Studie eine Herausforderung an die Politik. “Eine
Ausweitung der professionellen Pflege, um pflegende Angehörige zeitlich zu
entlasten, wäre wichtig, und vor allem eine Weiterentwicklung des 2018
eingeführten gesetzlichen Anspruchs auf Brückenteilzeit, damit nach einer
Teilzeitphase der Wechsel auf eine Vollzeitstelle von einer größeren Gruppe von
Anspruchsberechtigten leichter vollzogen werden kann.”

Der Artikel “What comes after Caring? The Impact of Family Care on Women–s
Employment” von Ulrike Ehrlich, Katja Möhring und Sonja Drobnic ist vorab online
erschienen im Journal of Family Issues
(https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0192513X19880934)

Pressekontakt:
Stefanie Hartmann
Deutsches Zentrum für Altersfragen
Pressestelle
https://www.dza.de/presse.html
stefanie.hartmann@dza.de
Tel.: 030 / 260 740 25

Original-Content von: Deutsches Zentrum für Altersfragen, übermittelt durch news aktuell

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