Blackout-Alarm in Berlin: Was der Riesenausfall für Vermieter bedeuten könnte

Der massive Stromausfall in Berlin, bei dem zeitweise sogar die Bundeswehr unterstützen musste, hat gezeigt, wie verwundbar selbst zentrale Infrastrukturen sind. Für Vermieter rückt damit ein Risiko in den Fokus, das lange als theoretisch galt: Kein Strom bedeutet kein Licht, keine Heizung, keine Aufzüge, keine digitalen Schließsysteme – und schnell auch Ärger mit Mietern, Nutzungsausfällen oder Haftungsfragen. Gerade in Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien kann ein Blackout binnen Stunden massive Folgekosten verursachen.

Viele Vermieter unterschätzen, wie abhängig ihre Objekte inzwischen von stabiler Energieversorgung sind – technisch wie rechtlich. Dieser Beitrag zeigt, welche Lehren Vermieter aus dem Berliner Ausfall ziehen sollten, welche Vorsorge heute sinnvoll ist und warum Notstrom, klare Zuständigkeiten und Risikobewusstsein zunehmend zum Bestandteil professioneller Immobilienbewirtschaftung werden.

Je moderner das Gebäude, desto höher die Verwundbarkeit

Was lange als Fortschritt galt, erweist sich im Blackout als Schwachstelle. Moderne Gebäude sind hochgradig elektrifiziert und digital gesteuert. Fällt die Energieversorgung länger aus, kommt nicht nur der Komfort zum Erliegen, sondern die Substanz selbst gerät in Gefahr. Gerade neue Heiz- und Haustechnik reagiert empfindlich auf Stillstand, insbesondere bei winterlichen Temperaturen.

Besonders kritisch sind Wärmepumpen. Ohne Strom stellen sie nicht einfach den Betrieb ein, sondern sind real gefährdet. Bei Frost können Umwälzpumpen zum Stillstand kommen, Wärmetauscher einfrieren und Verdichter irreparabel beschädigt werden. Zusätzliche Brisanz bringen neuere Anlagen mit dem Kältemittel Propan (R290) mit sich. Kommt es hier zu Materialschäden und Leckagen, entstehen sicherheitsrelevante Situationen, die im Extremfall erhebliche Gefahren nach sich ziehen.

Für Vermieter bedeutet das im Ernstfall einen vollständigen Anlagenausfall. Lange Lieferzeiten für Ersatzgeräte, wochen- oder monatelange Ausfälle der Wärmeversorgung und Kosten im fünfstelligen Bereich pro Anlage sind keine theoretischen Szenarien, sondern reale Konsequenzen.

Folgeschäden an der gesamten Gebäudetechnik

Der Schaden beschränkt sich jedoch selten auf die Heizungsanlage. Ein längerer Stromausfall betrifft die komplette Haustechnik. Heizungs- und Trinkwasserleitungen können einfrieren, ebenso Fußbodenheizungen. Sobald der Betrieb wieder anläuft, drohen massive Wasserschäden, die ganze Gebäudeteile unbewohnbar machen. In solchen Fällen geht es nicht mehr um Mietminderungen, sondern um vollständige Nutzungsausfälle und tiefgreifende Sanierungen der technischen Infrastruktur.

Wenn Gebäude faktisch unbewohnbar werden

Parallel dazu fallen in zeitgemäßen Wohn- und Gewerbeimmobilien zahlreiche Systeme gleichzeitig aus. Lüftungsanlagen sorgen nicht mehr für Luftaustausch, elektrische Rollläden lassen sich weder öffnen noch schließen, Tiefgaragentore blockieren die Zufahrt, und Aufzüge stehen still. Besonders für ältere oder mobilitätseingeschränkte Bewohner bedeutet das einen gravierenden Einschnitt. Im schlimmsten Fall wird das Gebäude zu einem Ort, den man weder sicher betreten noch verlassen kann.

Zusammenbruch von Mobilität und Kommunikation

Hinzu kommen Probleme jenseits der Gebäudetechnik. Elektrofahrzeuge verlieren bei Kälte an Reichweite, ein Nachladen ist ohne Strom nicht möglich, und blockierte Tiefgaragen verhindern die Nutzung selbst dann, wenn noch Energie vorhanden wäre. Gleichzeitig verfügen Mobilfunknetze nur über begrenzte Notstromreserven. Router, WLAN und Ladegeräte fallen aus, sodass auch die Kommunikation nach außen abbrechen kann. Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, verlieren damit eine zentrale Möglichkeit, Hilfe zu organisieren.

Der Worst Case für Bewohner – und für Vermieter

Im ungünstigsten Szenario bleibt Bewohnern nur, das Gebäude zu Fuß zu verlassen – ohne Fahrzeug, ohne Information, ohne Heizung, Wasser oder Versorgung. Gerade Mehrfamilienhäuser, urbane Quartiere und stark technisierte Neubauten sind hiervon besonders betroffen. Für Vermieter entstehen daraus nicht nur soziale Herausforderungen, sondern auch erhebliche Haftungsfragen und Risiken für den langfristigen Immobilienwert.

Einordnung: Blackouts als strategisches Risiko

Der Berliner Stromausfall macht deutlich, dass es sich bei Blackouts nicht um ein reines Komfortproblem handelt. Vielmehr geht es um Sachschäden, Haftungsrisiken und im Kern um die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Immobilien. Vorsorge rückt damit in den Bereich der professionellen Sorgfaltspflicht. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Notstromkonzepte können entscheidend dazu beitragen, Schäden zu begrenzen und die Funktionsfähigkeit zentraler Systeme zumindest teilweise aufrechtzuerhalten.

Resilienz ist damit kein optionaler Zusatz mehr. Sie entwickelt sich zur Grundvoraussetzung für bewohnbare, sichere und wirtschaftlich stabile Gebäude. Für Vermieter bedeutet das, Risiken realistisch zu bewerten, Zuständigkeiten klar zu definieren und die eigene Immobilie auf Szenarien vorzubereiten, die längst keine Ausnahme mehr darstellen.

Über Johannes Fritz:

Johannes Fritz ist Bauunternehmer, Projektentwickler und Hotelbetreiber mit mehr als zwölf Jahren Erfahrung in der Immobilienbranche. Er hat sich auf die nachhaltige Sanierung von Altbauten spezialisiert, um Wohnraum zu schaffen und historisches Erbe zu bewahren. Mit seinem Unternehmen realisiert er Projekte, die sozialen und ökologischen Mehrwert bieten. Der faire Austausch mit Mietern, Kommunen und Anwohnern steht dabei stets im Vordergrund. Mehr Informationen unter: johannesfritz.net (https://johannesfritz.net/)

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