Börsen-Zeitung: Die große Preisfrage, Kommentar zum Mobilfunkkonzern Sunrise von Heidi Rohde

Hoch gepokert und verloren – das ist das
Ergebnis für den Schweizer Mobilfunkanbieter Sunrise und seinen
Deal-Partner Liberty Global im Ringen um die UPC-Transaktion. Sunrise
verliert mehr als ihr Gesicht, nämlich 50 Mill. sfr, die als
Vertragsstrafe fällig werden, wenn die Übernahme formal abgeblasen
wird. Dies ist wohl nur eine Frage kurzer Zeit, nachdem Sunrise-Chef
Olaf Swantee den Deal für “tot” erklärt hat. Damit halten sich
allerdings die Verluste in Grenzen, denn das solide laufende
Kerngeschäft wird nicht unmittelbar darunter leiden, dass eine –
teuer erkaufte – strategische Neuaufstellung als vollintegriertes
Telekomunternehmen mit Mobilfunk- und Festnetzinfrastruktur zunächst
unterbleibt.

Für Liberty ist die Perspektive indes weit unerfreulicher. Denn
UPC war schon bisher im Alleingang mäßig erfolgreich, im Gegensatz zu
Sunrise. Die jüngsten operativen Verbesserungen waren auch nicht
ausreichend, um aus der kleinen Kabelgesellschaft mit rund 1 Million
Kunden ein Objekt der Begierde zu machen. Jedenfalls hat der einzig
naheliegende alternative Käufer, die zum Imperium des Franzosen
Xavier Niel gehörende Salt, bisher kein erkennbares Interesse
gezeigt.

Niel schickt sich überdies gerade an, mit seiner mehrheitlich
kontrollierten Beteiligung Eir den irischen Mobilfunkmarkt mit einer
Tiefpreisoffensive zu überziehen, wie er es zuvor in Italien und
Frankreich gemacht hatte. Für diese Feldzüge nimmt der umtriebige
Unternehmer stets viel Geld in die Hand. Damit ist einmal mehr
unwahrscheinlich, dass er gleichzeitig geneigt ist, Milliarden in der
Schweiz auszugeben.

Ein dritter potenzieller Käufer für UPC ist nicht ohne Weiteres in
Sicht. Und wer kein Geschäft in der Schweiz hat und UPC daher nicht
im Zuge einer Konvergenz-Strategie von Mobilfunk und Festnetz
erwerben könnte, würde den Preis mit Sicherheit deutlich niedriger
ansetzen. Nahezu alle Kabeltransaktionen jüngeren Datums waren von
dieser Logik getrieben, die zu entsprechend lukrativen
Bewertungsmaßstäben führten.

Sollten die Alternativen für Liberty zu unattraktiv sein, ist
daher nicht auszuschließen, dass der Kabelriese und Sunrise nach
einer Schamfrist doch noch einen neuen Anlauf zum Schulterschluss
machen. Wie der Großaktionär Freenet, der zuvor eigentlich selbst
einen Verkauf der Schweizer Beteiligung geplant hatte, dabei
geschickter eingebunden werden kann, sollte für alle Beteiligten
letztlich doch nur eine große Preisfrage sein.

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