Börsen-Zeitung: Im Rampenlicht, Kommentar zu ProSiebenSat.1 von Heidi Rohde

Während das breite Börsenpublikum ProSiebenSat.1
seit langem die kalte Schulter zeigt, tritt das Unternehmen bei
strategischen Investoren immer stärker ins Rampenlicht. Nach dem
überraschenden Einstieg des italienischen Konkurrenten Mediaset, der
sich im Mai mit knapp 10 Prozent im Kapital der Mediengruppe
breitgemacht hat, hat nun der tschechische Investor Daniel Kretinsky
zugegriffen. Wo das Gros der Anleger vor allem sinkende Umsätze und
Gewinne stören, setzen die Strategen auf die Chancen einer
Transformation, bei der sie früh und außerdem preiswert dabei sein
können: Schließlich hat die ProSieben-Aktie nochmals die Hälfte an
Wert verloren, seitdem Max Conze als CEO angeheuert wurde, um das
Steuer herumzureißen.

Das Misstrauen der Anleger kommt indes nicht von ungefähr. Denn
die strukturellen Herausforderungen im deutschen Fernsehmarkt, wo
sich die Geschäftsmodelle weitgehend auf reichweitenstarkes Free-TV
und entsprechende Werbefinanzierung gründen, sind schon länger
bekannt. Die Angreifer heißen Netflix, Amazon Prime und Co. Sie haben
mit einem vielfältigen zielgruppengerechten Programm an
Pay-TV(-Serien) eine unumkehrbare Fragmentierung des Marktes
eingeläutet, der sich die hiesigen Sender beugen müssen. Mit dem
Aufbau eigener Plattformen als Gegengewicht zu den US-Anbietern, um
Zuschauer und Werbeeinnahmen zurückzugewinnen, hat sich die Branche
insgesamt schwer getan. Alleingänge einzelner Sender erwiesen sich
als Rohrkrepierer oder gewannen nicht die nötige kritische Größe.

Die von ProSiebenSat.1 selbst initiierte Streaming-Plattform Joyn
kommt in Zusammenarbeit mit ARD und ZDF als so etwas wie ein größerer
gemeinsamer Wurf daher. Ihr Erfolg misst sich bisher jedoch nur in
Clicks, nicht in nennenswerten Erträgen, zumal das Angebot vorläufig
kostenlos ist. Die bezahlte Premium-Variante soll erst in Kürze
starten. Für den Erfolg setzt das Unternehmen unter anderem auf
Eigenproduktionen mit Lokalkolorit. Auch wenn dies der richtige Weg
sein sollte, ist das Schritttempo bisher recht langsam, wie das
Zahlenwerk zeigt. Das klassische Werbegeschäft machte im Halbjahr
noch immer die Hälfte vom Umsatz und zwei Drittel vom operativen
Ergebnis aus.

Derweil schläft die Konkurrenz nicht und neben Apple als
Nischenplayer bläst vor allem mit Disney ein inhaltlich und
finanziell stark aufgestellter Player zum Angriff im Streaming-Markt.
Der ProSieben-Vorstand muss aufpassen, dass ihm nicht die Zeit davon
läuft.

Pressekontakt:
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Redaktion

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