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Börsen-Zeitung: Rezessions-Menetekel, Kommentar zur Konjunktur von Stephan Lorz

Zunächst war es nur eine Krise im amerikanischen
Hypothekensektor, dann weitete sie sich zur Bankenkrise aus, und
zuletzt hatte sich auch die Konjunktur angesteckt. Die Welt stürzte
in eine tiefe Rezession. Alle Brandmauern zwischen den Sektoren waren
niedergerissen, weil über die Transmissionskanäle der Finanzmärkte –
Börsen und Banken – immer mehr Akteure in Mitleidenschaft gezogen
wurden. Das war in den Jahren 2008/2009.

Auch wenn Analysten die gegenwärtige konjunkturelle Situation noch
als „Konjunkturschwäche“ abtun, die Prognoserevisionen sich in
Grenzen halten und Institutionen wie die Deutsche Bundesbank auf
Optimismus machen: Die aktuelle Konjunkturlage ähnelt der Entwicklung
vor drei Jahren durchaus – und das macht die Situation so
brandgefährlich. Zunächst ging es auch hier um ein begrenztes
Problem: die Schuldenkrise Griechenlands. Ein Rettungspaket wurde
geschnürt. Dann reagierten die Märkte zudem auf die fiskalischen
Schieflagen von Irland, Portugal und Spanien. Der Euro-Rettungsfonds
für den gesamten Währungsraum wurde auf Kiel gelegt. Ratingagenturen
begannen im Wechselspiel mit der Bonitätsherabstufung der angezählten
Staaten, was die Lage noch verschlimmerte. Ökonomen, Politiker,
Investoren reden von Staatspleiten, von Gläubigerbeteiligung, vom
Auseinanderbrechen der Eurozone, vom Ausscheren Deutschlands aus der
Euro-Solidarität. Die Schuldenkrise nimmt immer neue Dimensionen an.
Kein Szenario wird mehr ausgeschlossen.

Zuletzt konnte sich Deutschland noch davon abschirmen. Die
Konjunktur lief glänzend. Doch nun hat sich die Lage gedreht. Die
Investoren weltweit haben angesichts neuer Eskalationsstufen – auch
Italien und Frankreich gerieten in den Krisensog – dem Währungsraum
ihr Vertrauen entzogen. Die Börsenkurse sind eingekracht. Das hat
Rückwirkungen auf die Konjunktur: Verunsicherung macht sich breit,
Investoren und Konsumenten halten sich zurück. Der IWF spricht von
einer „gefährlichen Phase“ für die Weltwirtschaft.

Der ZEW-Indikator der Konjunkturerwartungen ist jetzt auf den
tiefsten Stand seit Dezember 2008 gefallen! Auch alle anderen
Stimmungsindikatoren sind auf dem Weg nach unten. Schafft es die
Politik nicht bald, die Menschen von ihrem Krisenbewältigungskonzept
zu überzeugen, steht die nächste Rezession bereits vor der Tür. Und
die wird angesichts überschuldeter Staaten härter und dramatischer
ausfallen als davor. Keiner schert sich dann noch um den Zusammenhalt
des Euroraums.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weitere Informationen unter:
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