Bruttoinlandsprodukt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2019 / Deutsche Wirtschaft stagniert zum Jahresende

Bruttoinlandsprodukt, 4. Quartal 2019
0,0 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
+0,3 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
+0,4 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 4. Quartal 2019 gegenüber dem 3. Quartal
2019 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – nicht weiter gestiegen. Wie das
Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung am 14.
Februar 2020 mitgeteilt hatte, gab es im Verlauf des Jahres nach einem
schwungvollen Beginn im 1. Quartal (+0,5 %) und einem Rückgang im 2. Quartal
(-0,2 %) zunächst eine leichte Erholung im 3. Quartal (+0,2 %). Daraus ergibt
sich für das gesamte Jahr 2019 ein preisbereinigtes Wachstum des BIP von 0,6 %
(auch kalenderbereinigt).

Abgeschwächte Dynamik bei staatlichem und privatem Konsum

Im Vergleich zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) kamen aus
dem Inland gemischte Signale: Der inländische Konsum, zuletzt häufig der
Konjunkturmotor, verlor nach einem sehr starken 3. Quartal zum Jahresende
deutlich an Dynamik. Die privaten Konsumausgaben stagnierten im 4. Quartal 2019
(0,0 %), der Staat erhöhte seine Konsumausgaben nur leicht um 0,3 %. Bei den
Investitionen war das Bild zweigeteilt: Während in Bauten – auch aufgrund der
milden Witterung -0,6 % mehr investiert wurde als im 3. Quartal, gingen die
Investitionen in Ausrüstungen mit -2,0 % erneut deutlich zurück. Die
Investitionen in sonstige Anlagen waren 1,1 % höher als im Vorquartal.

Die außenwirtschaftliche Entwicklung dämpfte im 4. Quartal die Konjunktur: Nach
vorläufigen Berechnungen wurde preis-, saison- und kalenderbereinigt insgesamt
0,2 % weniger exportiert als im 3. Quartal. Zwar gab es etwas höhere
Dienstleistungsexporte (+0,4 %) als im Vorquartal, aber die Warenausfuhren
gingen um 0,4 % zurück. Die Importe von Waren und Dienstleistungen legten
dagegen um 1,3 % zu.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich leicht gestiegen

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum zum Jahresende
verlangsamt: Das preisbereinigte BIP stieg im 4. Quartal 2019 um 0,3 % gegenüber
dem 4. Quartal 2018 (kalenderbereinigt: +0,4 %). Im 3. Quartal 2019 war der
Anstieg mit +1,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal (kalenderbereinigt: +0,6 %)
noch stärker ausgefallen.

Zahl der Erwerbstätigen weiter gewachsen

Die Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2019 wurde von 45,5 Millionen
Erwerbstätigen erbracht. Das waren rund 300 000 Personen oder 0,7 % mehr als ein
Jahr zuvor (siehe Pressemitteilung 049/20 vom 18. Februar 2020). Die
Erwerbstätigkeit erreichte damit zwar wiederum einen neuen Höchststand seit der
Wiedervereinigung im Jahr 1990. Der Beschäftigungszuwachs hat sich allerdings im
Verlauf des Jahres 2019 spürbar abgeschwächt und liegt deutlich unter den
Zuwachsraten der letzten Jahre.

Die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen
verringerte sich nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit um 0,8 %.
Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also die Gesamtzahl der geleisteten
Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen – war entsprechend im 4. Quartal 2019 etwas
niedriger als im Vorjahresquartal (-0,1 %). Dazu beigetragen haben vor allem ein
höherer Krankenstand, weniger Überstunden und ein Rückgang der Zahl der
Selbstständigen. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität – gemessen als
preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde – nahm nach vorläufigen
Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 % zu. Je Erwerbstätigen ging
sie jedoch um 0,4 % zurück.

Konsum und Bauinvestitionen stützten die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr

Auch im Vorjahresvergleich kamen im 4. Quartal 2019 gemischte Signale aus dem
Inland: Die privaten Konsumausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr
preisbereinigt um 1,2 %, die staatlichen Konsumausgaben um 3,0 %. Die
Bauinvestitionen waren 2,7 % höher; vor allem in den öffentlichen Bau und den
Bau von Wohnungen wurde mehr investiert als im 4. Quartal 2018. Die
Investitionen in Ausrüstungen – darunter fallen hauptsächlich Maschinen und
Geräte sowie Fahrzeuge – gingen preisbereinigt hingegen auch im
Vorjahresvergleich deutlich zurück (-2,6 %). Der Rückgang der nichtstaatlichen
Ausrüstungsinvestitionen fiel mit -1,5 % nicht ganz so stark aus. Die
Auslandsnachfrage ließ zum Jahresende 2019 nach: Nach vorläufigen Berechnungen
wurden im 4. Quartal 2019 preisbereinigt nur 0,9 % mehr Waren und
Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im 4. Quartal 2018. Die Importe
stiegen im selben Zeitraum etwas stärker um 1,2 %.

Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe erneut stark rückläufig

Auf der Entstehungsseite des BIP war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im
4. Quartal 2019 in fast allen Wirtschaftsbereichen höher als im 4. Quartal 2018.
Die höchsten Zuwachsraten gab es in den Dienstleistungsbereichen, insbesondere
im Bereich Information und Kommunikation (+2,8 %), sowie im Baugewerbe (+2,0 %).
Der regelrechte Einbruch der Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe (-4,8
%) führte aber dazu, dass die preisbereinigte Bruttowertschöpfung insgesamt
lediglich um 0,2 % stieg.

Arbeitnehmerentgelt kräftig gestiegen

In jeweiligen Preisen gerechnet war sowohl das BIP als auch das
Bruttonationaleinkommen im 4. Quartal 2019 um 2,6 % höher als ein Jahr zuvor.
Das Volkseinkommen nahm um 1,9 % zu, wobei sich die beiden Komponenten sehr
unterschiedlich entwickelten: Während das Arbeitnehmerentgelt (Bruttolöhne und
-gehälter zuzüglich Sozialbeiträge der Arbeitgeber) mit +3,8 % kräftig zulegte,
gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach ersten vorläufigen
Berechnungen um 3,4 % zurück. Die Bruttolöhne und -gehälter der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen 3,5 % über dem Niveau des 4. Quartals
2018, die Nettolöhne und -gehälter sogar 3,9 %. Im Durchschnitt je
Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen die Löhne und Gehälter weniger stark
(brutto um 2,6 %, netto um 2,9 %), da auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter zunahm (+1,0 %). Das
verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erhöhte sich um 2,6 % und damit in
ähnlicher Größenordnung wie die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen
(+2,5 %).

Ergebnisse für die ersten drei Quartale und das Jahr 2019 überarbeitet

Neben der Erstberechnung des 4. Quartals 2019 wurden auch die bisher
veröffentlichten Ergebnisse der ersten drei Quartale 2019 und das Jahresergebnis
2019 überarbeitet und – soweit erforderlich – revidiert. Die ersten vorläufigen
Ergebnisse werden überarbeitet, um neu verfügbare statistische Informationen
einzuarbeiten. Die Datennutzerinnen und -nutzer können somit auf die zum
jeweiligen Veröffentlichungszeitpunkt bestmöglichen Ergebnisse für Analysen und
Prognosen zurückgreifen. Wie bereits in der Schnellmeldung vom 14. Februar 2020
berichtet, fiel die leichte Erholung im 3. Quartal 2019 revidiert um 0,1
Prozentpunkte stärker aus als zuvor veröffentlicht. In den einzelnen Komponenten
kann es wie üblich auch zu größeren Änderungen der bisherigen Ergebnisse kommen;
bei saison- und kalenderbereinigten Reihen gilt dies für die gesamte Zeitreihe
ab 1991.

Die vollständige Pressemitteilung sowie weitere Informationen und Funktionen
sind im Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter
http://www.destatis.de zu finden.

Weitere Auskünfte:
VGR-Infoteam,
Telefon: +49 (0) 611 / 75 26 26
www.destatis.de/kontakt

Pressekontakt:

Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:
Statistisches Bundesamt

Pressestelle

Telefon: +49 611-75 34 44
www.destatis.de/kontakt

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/32102/4529136
OTS: Statistisches Bundesamt

Original-Content von: Statistisches Bundesamt, übermittelt durch news aktuell

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