Daimler steigt aus dem Gemeinschaftsprojekt im E-Motorenbau mit Bosch aus

Die Experten sind sich ebenso einig wie die Perspektiven gerade der jüngeren Konsumenten klar sind: Die Zukunft gehört dem Elektromobil. Die dafür benötigten Elektromotoren wollten Bosch und Daimler gemeinsam bauen und gründeten das Gemeinschaftsunternehmen EM-motive, das in Hildesheim und Stuttgart residiert. Jetzt steigt Daimler aus dem Joint Venture mit Bosch aus. Die Industrie ist in Bewegung.

EM-motive auf Erfolgskurs
Tatsächlich war das Gemeinschaftsprojekt eine Erfolgsgeschichte. Seit der Unternehmensgründung wurden über 450.000 Elektromotoren gebaut und verkauft. Daimler verkündete, der Ausstieg sei sinnvoll, weil das Ziel, kleine Motorenserien wirtschaftlich zu bauen, erreicht werden konnte und sich Daimler nun wieder auf die Kernkompetenzen konzentrieren könne. Bosch hatte sich bereits 2011 eine Option auf die Daimler-Anteile gesichert und hat diese jetzt voll übernommen. Im EM-motive Werk werden heute rund 340 Mitarbeiter beschäftigt. Ziel ist bei Bosch nicht mehr und nicht weniger als die Marktführerschaft in der Elektromobilität. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Bosch geht von einem Anteil von 25% für die Elektromobile bei allen Neuzulassungen um 2030 aus.

IG Metall fürchtet Arbeitsplatzverluste
Grundsätzlich besteht ein Elektromotor aus deutlich weniger Teilen als ein Verbrenner, durchschnittlich etwa 40%. Es gibt im E-Motor keine Zylinder, Turbolader sind ebenso überflüssig wie Katalysatoren und Kupplungsgetriebe. Das macht den E-Motor für Zulieferer grundsätzlich attraktiv. Daimler plant nach eigenen Angaben auch künftig nicht den Bau eigener Elektromotoren. Der Betriebsrat des Konzerns entfaltet dagegen Widerstand, weil er beim Wegfall des Baus einzelner Aggregate Arbeitsplatzverluste im Konzern befürchtet. Die IG Metall befürchtet den Wegfall von rund 150.000 Arbeitsplätzen, wenn der E-Motor den Verbrennungsmotor weitgehend vollständig ersetzt hat.

Chancen für den Mittelstand und unterschiedliche Herstellerstrategien
Gleichzeitig erfordert der Elektromotor jedoch sehr spezifische Technologien, die so manchem Mittelständler neue Chancen eröffnen. Es wurden bei EM-motive stets modernste Technologien eingesetzt und dazu teilweise mit weiteren KMU-Partnern zusammengearbeitet. Ein Beispiel war etwa die Imprägniertechnologie von bdtronic, die die mechanische Leistung des Motors spürbar optimiert und auch für Hybridantriebe eingesetzt werden kann. Hybridmotoren werden oft direkt als Achsantriebe eingesetzt. Mit überzeugenden Leistungen konnte EM-motive auch Daimlers Wettbewerber Porsche, Peugeot, Fiat, Volvo und sogar die Posttocher Streetscooter als Kunden gewinnen. Die Strategie der deutschen Premiumhersteller ist dabei durchaus unterschiedlich. Im Sommer 2018 startete Audi eine eigene Serienproduktion für Elektromotoren in Ungarn und setzt technisch vor allem auf sehr enge Kupferwicklungen. Dort werden nur noch 100 Mitarbeiter beschäftigt. Auch BMW und Volkswagen setzen wie Tesla in den USA auf die Inhouse-Produktion. Für Bosch bietet Daimlers Ausstieg zwar erhöhte Risiken, aber auch die wachsende Chance, neue Kunden besonders im Kleinwagensegment zu gewinnen. So hofft Bosch, Daimler auch langfristig als Kunden zu behalten, zumal dessen Tochter Smart seine E-Motoren vom Konkurrenten Renault bezieht.

Die Autoindustrie ist in Bewegung
Das Beispiel EM-Motive zeigt, wie stark die gesamte Autoindustrie durch die Elektromobilität in Bewegung gerät. Neue Allianzen werden geschmiedet, strategische Grundentscheidung etwa über die Produktionstiefe stehen an. Dabei werden heute bei verschiedenen Herstellern durchaus unterschiedliche Prioritäten gesetzt. Wer der große Gewinner des Durchbruchs bei den Elektromobilen sein wird, ist noch nicht klar. Klar scheint nur, dass dieser Durchbruch bald kommen wird.

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