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Die vielen Gesichter des Online-Lernens.

von Bernd Stelzer, M.A., Waldkappel

Online-Lernen kennen wir seit der Verbreitung des Internets. Schwund und Bewegung kam mit Web 2.0 in das Thema. Dialoge waren möglich und die Kommunikation im Lernprozess war nicht mehr einseitig. Doch das ist nun auch schon wieder einige Jahre her. Das Online-Lernen hat sich immer weiterentwickelt und hat inzwischen viele verschiedene Gesichter. Wir haben das Online Lernen, das im Ursprung stecken geblieben ist und nichts anderes tut als Informationen zu vermitteln. Hierzu gehören alle Formen des Online-Lernens bei denen auf der Lehrendenseite ein Programm steht, ein Video oder ein E-Book aber kein Mensch, der mit den Lernern in Dialog tritt oder treten kann. Diese Form des eLearning, die allgemein als asynchrones eLearning bezeichnet wird, eignet sich in der Pädagogik nur zur Vermittlung von Wissen, hat also den gleichen Effekt wie Bücher lesen, eBooks hören oder Skripte lesen. ELearning in asynchroner Form muss nur einmal produziert werden und verursacht, wenn der Break-even-Point erreicht ist kaum noch Kosten. Das macht asynchrones eLearning interessant und es lockt immer wieder die Versuchung in diese Richtung zu arbeiten. Die moderne Erwachsenbildung spricht sich jedoch für eine klare Abkehr von rein wissensvermittelnder Weiterbildung aus, wie es das asynchrone E-Learning in Reinform praktiziert. Moderne Erwachsenenbildung ist eine gekonnte Mischung aus Vermittlungsdidaktik (lehrerzentriertes Lernen) und Aneignungsdidaktik (lernerzentriertes Lernen). Hinzu kommt das erfahrungsgelenkte Lernen in Gruppen, sprich gezielter Erfahrungsaustausch. All diese Formen lassen sich mittels kollaborativen E-Learnings online durchführen. Hierzu bedarf es jedoch der synchronen eLearning Formen, die dem handlungsorientierten Präsenzunterricht mittlerweile gelichgesetzt werden und als gleichwertig betrachtet werden. Bei den synchronen E-Learning Formen stehen auf der einen Seite die Lernenden und auf der anderen Seite ein Trainer, Dozent oder Tutor. Das macht synchrones eLearning im Vergleich zu den asynchronen Formen sehr viel teurer und weniger gewinnträchtig. Es liegt deshalb klar auf der Hand, dass eLearning-Anbieter gerne die asynchronen Formen anbieten und verkaufen möchten.
Das heutige Zielsetzung beruflicher Weiterbildung ist nicht die Wissensvermittlung. Zu lange wurde an Universitäten, Schulen und in Seminaren Vermittlungsdidaktik praktiziert und somit jede Menge „träges Wissen“ produziert, dass niemals zur Anwendung kommen konnte. Seit einigen Jahren hat zumindest in der Erwachsenbildung ein Paradigmawechsel eingeleitet, der Kompetenzentwicklung in den Fokus jeden Lernens stellt. Kompetenzen können nicht vermittelt werden, es kann nur jeder Mensch selbst seine Kompetenzen entwickeln. Dazu braucht es dann auch nicht der Vermittlungs-didaktik sondern der Aneignungsdidaktik. Mittlerweile lässt sich Aneignungsdidaktik auch mittels eLearning praktizieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:
1. Im Dialog stattfindende Webinare die in Diskussionsform gestaltet werden, nicht in
Vortragsform.
2. In Online Arbeitsgruppen, die eigenständige Lösungserarbeitung der einzelnen
Gruppen zulassen.
3. Durch Teilnehmer selbstgesteuerte Arbeitsgruppen in denen Möglichkeiten und
Lösungen diskutiert werden.
Die verschiedenen Formate des eLearning dienen ganz unterschiedlichen Zielsetzungen. Oft sind aber Entscheider mit der Unterschieden gar nicht vertraut und entscheiden sich dann für Formate, die die gewünschte Zielsetzung einer Maßnahme gar nicht erbringen können. Die gesamte betriebliche Weiterbildungslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und wird sich in den kommenden Jahren noch viel stärker verändern. Die Veränderung alleine ist aber nicht das Ziel. Das Ziel ist es, Weiterbildung effizienter zu machen, weil alle Mitarbeiter in den Betrieben mehr Weiterbildung brauchen aber nicht mehr Zeit zur Verfügung haben. Weiterbildung effizienter machen heißt, die Wirkung der Maßnahmen in den Fokus zu stellen. Nicht auf das zu zielen, was schnell geht, kurz ist, wenig kostet aber nicht zum Ziel führt. Der Weg zur effizienteren Weiterbildung benötigt didaktisch professionalisierte Maßnahmen aus arbeitsintegriertem Lernen, eLearning, und konnektivistischem Lernen. Auf die klassischen Präsenzseminare lässt sich am Ehesten verzichten, wenn alle anderen Maßnahmen zielführend aufeinander aufgebaut sind. In der modernen effizienten Weiterbildung können wir jedoch am Wenigsten auf gutes und synchron angelegtes eLearning verzichten. Auf asynchrones ELearning können wir aber am leichtesten verzichten, weil es kostengünstigere, einfachere und effizientere Wege gibt, um lehrerzentriertes Lernen zu praktizieren.
Wir können in der modernen, zukunftsweisenden Weiterbildung auf Lehrerzentriertes Lernen (Vermit-tlungsdidaktik nicht gänzlich verzichten, Lehrerzentriertes Lernen kann aber auch nicht der Kern einer Weiterbildungsmaßnahme sein. Die Zielsetzung für die Zukunft heißt Kompetenzentwicklung und um das zu erreichen, müssen wir die Aneignungsdidaktik in den Mittelpunkt jeder Weiterbildungs- maßnahme stellen. Hier bekommt nun eLearning ein völlig neues Gesicht. ELearning in allen Formen des lernerzentrierten Lernens und des metakognitiven Lernens müssen massiv an Bedeutung gewinnen und den derzeit viel zu massiven Teil des asynchronen eLearning ablösen.

Abb.: Möglichkeiten des Einsatzes von eLearning im Prozess Kompetenzlernens.

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