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DVV-Präsidentin Kramp-Karrenbauer mahnt stärkeres Engagement für Alphabetisierung und Grundbildung an

Bund, Länder und Kommunen sollen gemeinsam für
bessere Regelförderung sorgen

„Wir dürfen in unseren Anstrengungen für Alphabetisierung und
Grundbildung in Deutschland nicht nachlassen.“ Mit diesen Worten hat
die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV),
Annegret Kramp-Karrenbauer, die leo (Level One)-Folgestudie der
Universität Hamburg kommentiert, die heute in Berlin vorgestellt
wurde. Demnach gibt es bundesweit 6,2 Millionen Menschen, die nur
gering literalisiert sind, die also selbst einfache Texte nicht
sinnverstehend lesen oder schreiben können. Die erste leo-Studie von
2010 hatte 7,5 Millionen gering literalisierter Erwachsener
ermittelt. „Mehr als eine Million Menschen haben in den vergangenen
Jahren die Anstrengung unternommen, Lesen und Schreiben zu lernen.
Sie sind ein Vorbild und zeigen, dass es nie zu spät ist“, sagt die
DVV-Präsidentin und fügt hinzu: „Volkshochschulen bieten Menschen
lebenslang die Chance, Bildungslücken zu schließen. Alle staatlichen
Ebenen – also Bund, Länder und Kommunen – müssen sie in diesem
Lernprozess bestmöglich unterstützen.“

Der DVV wertet die gesunkene Zahl gering Literalisierter als einen
Erfolg der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung
von Bund und Ländern. Daran ist auch der DVV stark beteiligt. Die
wachsende Zahl engagierter Bildungsträger in diesem Feld führe zu
mehr Lernangeboten. Auch sei es gelungen, das Thema stärker ins
öffentliche Bewusstsein zu rücken und Multiplikatoren stärker
einzubinden. Zudem habe man neue Wege beschritten, um Betroffene
gezielter anzusprechen.

Die aktuelle leo-Studie zeigt aus Sicht der Volkshochschulen aber
auch, wo besonderer Handlungsbedarf besteht. Unter den Menschen ohne
Schulabschluss kann mehr als die Hälfte (54,5 Prozent) nicht
ausreichend Lesen und Schreiben. Das bestätigt die Haltung der
Volkshochschulen: Das Nachholen von Schulabschlüssen zu unterstützen,
ist ihnen ein besonderes Anliegen.

Die leo 2018-Studie belegt außerdem: Geringe Literalität macht die
Menschen unsicherer und begrenzt ihre Kompetenz,
Alltagsentscheidungen zu treffen. Unter anderem sind Betroffene in
der Nutzung digitaler Medien eingeschränkt. Zwar kann digitale
Technologie dabei helfen, Defizite im Lesen und Schreiben zu
kompensieren, beispielsweise durch Sprachnachrichten. Allerdings
greifen gering Literalisierte kaum auf das Internet zurück, um
Informationen zu suchen. Auch in Gesundheitsfragen besteht
Nachholbedarf: Gering Literalisierten fällt es schwer, Beipackzettel
zu verstehen oder Behandlungsformulare in Kliniken oder
Pflegeeinrichtungen auszufüllen. Bürgerschaftliche Partizipation ist
ebenfalls eingeschränkt. Betroffene suchen weniger Austausch über
politische Themen, engagieren sich seltener ehrenamtlich und gehen
auch weniger zur Wahl.

Für solche konkreten Alltagsthemen bieten Volkshochschulen Kurse
und Vorträge an. Keine andere Weiterbildungseinrichtung kann eine so
breite Palette an Grundbildungsangeboten vorweisen. Neben dem
Kursangebot vor Ort ermöglicht das vhs-Lernportal (vhs-lernportal.de)
einen niederschwelligen Einstieg in den Lernprozess. Lernende werden
dort tutoriell begleitet und können sich online sogar systematisch
auf einen Schulabschluss vorbereiten. Seit der DVV im Jahr 2004 das
Online-Lernangebot für Alphabetisierung und Grundbildung an den Start
gebracht hat, wurden fast 600.000 Lernerinnen und Lerner registriert.

Und dennoch: „Die Teilnahmezahlen bleiben weit hinter dem in der
leo-Studie ermittelten Bedarf zurück“, so DVV-Präsidentin
Kramp-Karrenbauer. Alphabetisierungskurse an Volkshochschulen
verzeichneten 2017 bundesweit rund 41.000 Teilnahmen. Der DVV fordert
weiterhin eine bessere Regelförderung für Alphabetisierungskurse, um
finanzielle Hürden abzubauen und so gerade sozial Benachteiligten den
Einstieg in Weiterbildung zu erleichtern.

„Lesen und Schreiben lernt man nicht von heute auf morgen“, sagt
Kramp-Karrenbauer. Dennoch lohne sich der Aufwand – für den Einzelnen
und für die Gesellschaft. Denn Literalität sei grundlegend für eine
umfassende Partizipation in allen gesellschaftlichen Bereichen und
für eine dauerhafte und existenzsichernde Beschäftigung.
„Grundbildung und Alphabetisierung tragen dazu bei, Erwerbslosigkeit
zu senken und Armutsrisiken zu entschärfen. Investitionen in
nachholende Grundbildung können helfen, Sozialausgaben zu verringern,
Ausgrenzung zu überwinden und letztlich den gesellschaftlichen
Zusammenhalt zu stärken“, sagt die DVV-Präsidentin.

Kontakt:
Simone Kaucher
Pressesprecherin des DVV
0228 97569-11
kaucher@dvv-vhs.de

Original-Content von: Deutscher Volkshochschul-Verband, übermittelt durch news aktuell

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