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Epilepsie-Projekt „Brücken bauen“ zieht Bilanz

Ungefähr 5% der Menschen erleiden einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Etwa 1% der Bevölkerung, rund 600.000 Menschen, ist an Epilepsie erkrankt. Zugleich ist die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Epilepsie überdurchschnittlich hoch. Gerade die Übergänge von Schule in Ausbildung und von der Ausbildung in den Beruf gestalten sich schwierig.

„Die Begriffe Epilepsie und Arbeit passen oft noch nicht zusammen“, betonte Maren Wendler, Leiterin des Epilepsie-Projekts. „Aufklärung ist entscheidend“, unterstrich Prof. Dr. Bernhard Steinhoff, Ärztlicher Direktor des Epilepsiezentrums Kork. Daher sei Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Element des Epilepsie-Projekts. Über 300 Teilnehmer, darunter Auszubildende, Arbeitgeber und Mitarbeitende in Firmen, Integrationsfachdiensten sowie Rehateams der Agentur für Arbeit, erhielten während der Laufzeit des Projekts Grundlagenschulungen zum Thema Epilepsie oder Informationen zu Themen wie Bewerbungstraining bei Epilepsie.

Für Betriebe wurde eine spezielle „Toolbox“ entwickelt. Sie enthält Qualifizierungsangebote, Informationsbroschüren, Filmmaterial, Namen und Adressen von Anlaufstellen sowie Informationen zu Schwerbehindertenausweis und finanziellen Fördermöglichkeiten. Zur Einschätzung der Arbeitsmöglichkeiten wurden 28 Beratungen mit Arbeitgebern durchgeführt sowie sechs Arbeitsplatzbegehungen organisiert.

Während der Projektlaufzeit konnten 27 Jugendliche, rund 85 % der Absolventen, unmittelbar nach ihrer Ausbildung vermittelt werden. Profitieren konnte unter anderem Hanna Strönisch, die sich dem Fachpublikum vorstellte. Nach ihrem Klinikaufenthalt in Kork absolvierte die junge Frau ihre Ausbildung im CJD Jugenddorf Offenburg. In Frank Sutter, Marktleiter des EDEKA-Marktes in Buggingen, fand sie schließlich einen verständnisvollen Arbeitgeber: „Die Information gab uns Sicherheit. Das Thema Epilepsie ist bei uns nicht spürbar. Hanna wird behandelt wie jeder andere auch.“

Von einer weiteren Kooperation berichtete Peter Goehringer, Ausbilder bei der Waiblinger Robert Bosch GmbH. Hier arbeiten die Bosch-Azubis gemeinsam mit Teilnehmern des BBW Waiblingen. Und auch hier ist Epilepsie kein Thema: „Wichtig ist, dass wir von Anfang an offen und ehrlich über alles gesprochen haben. So konnten weder Vorurteile noch Fehlinformationen entstehen. Und bei einem Zwischenfall haben alle Beteiligten richtig reagiert!“

Insgesamt wurde während der gesamten Projektlaufzeit sehr vieles angestoßen, erklärt Maren Wendler: „Und es wurden neue und nachhaltige Strukturen aufgebaut.“ Die beteiligten Kooperationspartner haben sich insgesamt bestens vernetzt, ergänzte Rainer Gaag, Geschäftsführer im BBW Waiblingen.

Auch nach Projektende geht es somit nahtlos weiter: Die Homepage unter www.modellprojekt-epilepsie.de bleibt bestehen. In den Berufsbildungswerken gibt es künftig eine „Fachperson Epilepsie“. Und im Epilepsiezentrum Kork besteht seit 1. Oktober 2012 die erste Epilepsie-Beratungsstelle in Baden-Württemberg.

Weitere Informationen unter:
http://www.cjd-offenburg.de


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