Erdogans Großmachtfantasien

Mit dem geplanten Militäreinsatz in Libyen will der türkische
Staatschef Recep Tayyip Erdogan die Rolle seines Landes als Führungsmacht in der
Region festigen. Mit seinen Großmachtfantasien will Erdogan nicht zuletzt die
Bevölkerung über die schwierige Wirtschaftslage und die Demokratiedefizite
hinwegtrösten. Aber die Völker im Nahen Osten und Mittelasien, auf dem Balkan
und in Nordafrika erinnern die Osmanenherrschaft nicht so glanzvoll, wie Erdogan
sie den Türken ausmalt. Mit seiner Unterstützung für radikalislamische Regime
wie die Muslimbrüder in Ägypten und die Regierung in Tripolis macht sich Erdogan
in der arabischen Welt Feinde. Nicht nur dort. Die Beziehungen der Türkei zur
EU, zur Nato und zu den USA sind zerrüttet. Im Nahen Osten ist das wegen
Terrorvorwürfen isolierte Emirat Katar Erdogans einziger Verbündeter, in der EU
hat er nur noch den Rechtspopulisten Viktor Orban. International ist die Türkei
isoliert wie noch nie seit der Gründung der Republik vor fast 100 Jahren.

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