Halle: auf dem rechten Auge blind!

In Folge des rechtsradikalen Terroranschlags in
Halle gibt es vermehrt Zwischenrufe deutscher Politiker in den
Medien, die Videospielen und Videospielkultur eine Mitschuld
einräumen.

Daniel Mönch, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei
kommentiert: “Der rassistische Terroranschlag von Halle hat uns alle
schwer getroffen. Wieder einmal rechter Terror in Deutschland, wieder
ist er gegen Juden und Muslime gerichtet. Die Suche nach Erklärungen
ist nach einem solchem Terroranschlag verständlich. Es wäre zu
begrüßen, wenn jetzt auch unbequeme Wahrheiten angesprochen werden,
um der nun wieder bestätigten rechten Ideologie, die hinter dem
Anschlag stand, entgegen zu treten.”

“Anstatt erneut der rechten Szene zu signalisieren, dass sie in
Deutschland weitestgehend ungestört ihre Strukturen ausbauen und
pflegen kann, sollten endlich deutliche Zeichen gesetzt werden. Nicht
haltlose Behauptungen über Computerspiele sind gefragt, sondern klare
Worte, dass nun deutlich mehr Ressourcen zur Bekämpfung von
Rechtsextremismus bereit gestellt werden, allein um den Opfern
gerecht zu werden. Stattdessen werden die gängigen Nebelkerzen
geworfen, wie die Verschärfung des NetzDG und Plattformen für
Computerspiele ins Visier zu nehmen. Die Zeit, um Unwissenheit zu
unterstellen, ist schon lange vorbei.”, ergänzt Sebastian Alscher,
Bundesvorsitzender der Piratenpartei.

Die Debatte muss jetzt geführt werden über Bekämpfung rechter
Ideologie, Vermittlung demokratischer Werte in den Schulen und eine
Neuorganisation der Sicherheitsbehörden, in denen immer wieder rechte
Netzwerke auftauchen, Die Reaktionen sehen leider ganz anders aus.
Schon kurz nach der Tat kündigt Justizministerin Lambrecht
Verschärfungen beim NetzDG an. In verschiedensten Medien sind Artikel
zu lesen, die Videospielen und der Videospielkultur eine Teilschuld
an dem Anschlag geben. Das ZDF ging sogar soweit, das bereits
gelöschte Video des Attentats in einem Bild auf den Twitch Kanal der
DreamHack, eines der größten Gaming Event Veranstalters [1], zu
montieren.

“Nachdem bekannt wurde, dass der Attentäter Animemusik gespielt
hat, spricht nun der ehemalige oberste Verfassungsschützer Hans Georg
Maaßen gar von “Otaku-Terrorismus”, frei nach dem Motto, was ich
nicht kenne, ist mir suspekt. Geraten nun nach den Gamern die Anime-
und Mangafans in Verdacht? Sind Weebs [Anm. d. Redaktion: Japanfans]
unser Problem? Es ist unglaublich, wie die Politik sich windet, um
nicht zugeben zu müssen, dass man jahrelang weggesehen hat, wie sich
Neonazis, neue Rechte, Identitäre und nationalistische
Kampfsporttruppen vernetzen und mit der AfD nun auch einen Arm in die
Parlamente gefunden haben. Die Schuld hier bei harmlosen Gamern oder
Anime-Fans zu suchen wird der Situation nicht gerecht und drängt die
Falschen ins schlechte Licht”, erklärt Daniel Mönch abschließend.

Quellen/Fußnoten:
[1] https://twitter.com/heuteplus/status/1182586797240602624

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