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Hier Fichtenacker, da Naturwald- Zur Diskussion um einen Studiengang für ökologische Waldwirtschaft — pointierte Marketingkampagne oder hilfreiches Angebot-

Unsere Wälder und die Forstwirtschaft erfahren aktuell eine erfreulich hohe gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit. Die Bilder der weithin sichtbaren Waldschäden infolge des Klimawandels und die entsprechenden Berichte haben sowohl bei politischen Entscheidungsträgern in Deutschland, Europa und der ganzen Welt, als auch in der breiten Öffentlichkeit die ökologische, klimapolitische und bioökonomische Rolle der Wälder deutlich gemacht.

Vor diesem Hintergrund schlagen das Magazin GEO aus dem Hause Gruner&Jahr und verschiedene Mitstreiter*innen vor, an einer Hochschule einen Studiengang für „ökologische Waldwirtschaft“ zu etablieren und dessen Einrichtung mit der temporären Finanzierung zweier Stiftungsprofessuren anzuschieben. Das ist grundsätzlich zu begrüßen und zu unterstützen.

Leider wirft die Begründung für dieses Vorhaben ein falsches und sehr unvollständiges Licht auf die bestehenden forstlichen Studiengänge in Deutschland, indem sie unterstellt, dass die derzeitige Lehre an forstlichen Hochschulen und Universitäten nicht auf einem umfassenden Verständnis von Wäldern als komplexen Ökosystemen beruht und sich auf die Anlage von „Holzäckern“ und damit die Plantagenwirtschaft beschränke.

Im Interesse einer ausgewogenen Darstellung der aktuellen forstakademischen Ausbildung halten wir es deshalb für geboten, in dieser gemeinsamen öffentlichen Erklärung einige uns wichtige Klarstellungen vorzunehmen:

Die Ökologie ist fester und zentraler Bestandteil forstlicher Studiengänge An allen fünf Hochschulen und vier Universitäten mit forstlichen Studienangeboten werden junge Leute auf spätere berufliche Tätigkeiten mit dem Ziel eine nachhaltige, multifunktionale Waldwirtschaft umzusetzen, ausgebildet. Dabei spielen die Waldökologie und der Waldnaturschutz schon seit langem eine wichtige Rolle. „Waldbau auf ökologischer Grundlage“ lautetet schon der Titel eines vor über 90 Jahren zum ersten Mal erschienenen und seitdem stetig weiterentwickelten Lehrbuchs. Seit dieser Zeit hat die Bedeutung der

Ökologie für das Verständnis der Funktionalität von Wäldern ebenso zugenommen, wie die daraus abgeleiteten Erkenntnisse für die Waldbewirtschaftung und den Naturschutz. Vor diesem Hintergrund wurden bereits vor vielen Jahren entsprechende Professuren eingerichtet und mehrheitlich ganz bewusst mit Kolleg*innen aus biologischen und ökologischen Fachdisziplinen besetzt. Die disziplinäre Breite ist nicht nur ein wichtiges Merkmal der forstlichen Studiengänge, sondern auch eine elementare Voraussetzung dafür, dass unsere Absolvent*innen später mit sicht- und nachweisbaren Erfolgen Verantwortung für die vielen verschiedenen gesellschaftlichen Ziele der Waldwirtschaft übernehmen können.

Selbstverständlich auch für solche Ziele wie den Erhalt der Biodiversität, des Waldnaturschutzes, und für weitere wichtige Ökosystemleistungen der Wälder, jenseits der Bereitstellung von Holz. Die vielen Personen mit einer forstlichen Ausbildung, die u. a. in Großschutzgebieten wie Nationalparken oder in Naturschutzverwaltungen und -verbänden arbeiten, sind ein gutes Beispiel für die Breite an Kompetenzen in der Ausbildung.

So kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Bedeutung der Waldökologie für die Entwicklung waldbaulicher Konzepte in den vergangenen 30 Jahren stetig zugenommen hat.

Sie hat die großen, gut vorangekommenen und vielerorts sichtbar erfolgreichen Anstrengungen des Umbaus von Wäldern, maßgeblich beeinflusst. Die Ökologisierung der Waldbewirtschaftung hat auch dazu beigetragen, dass alle Biodiversitätsindikatoren in Wäldern eine positive oder stabile Entwicklung verzeichnen. Diese Entwicklungen wurden maßgeblich durch die Curricula an forstlichen Hochschulen mit ihren Inhalten in den Bereichen der Walddynamik und -ökologie, Bodenökologie, Wildtierökologie, der Biodiversität und des Naturschutzes, der Ökosystemleistungen und des Ökosystemmanagements, der Anpassung an den Klimawandel, der Wald- und Umweltpolitik sowie der naturnahen, multifunktionalen Waldbewirtschaftung, um hier nur einige zu nennen, unterstützt. Wer vor dem Hintergrund dieser etablierten Studieninhalte, die „ökologische Waldwirtschaft“ als ein neues, dringend notwendiges Programm ausruft, hat das Bestehende nur unzureichend recherchiert.

Studium und Wissenschaft leben vom Diskurs

Sowohl das Studium der Forstwissenschaften wie auch jenes der Forstwirtschaft rücken den Wald und die Beziehung des Menschen zum Wald in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Besonderheit der genannten Studiengänge besteht darin, dass das Objekt Wald aus ganz unterschiedlicher Sicht beleuchtet wird, um seiner Komplexität und den unterschiedlichen an Wald gestellten gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dabei spielt die Ökologie eine gleichwertige Rolle wie ökonomische, technische oder sozialwissenschaftliche Sichtweisen. Wie die verschiedenen Ziele bei der konkreten Bewirtschaftung eines Waldes am sinnvollsten kombiniert werden, obliegt den Entscheidungsträgern, d. h. den privaten, kommunalen, oder staatlichen Waldbesitzern, nicht aber einer normativen Setzung durch die forstlichen Hochschulen und Universitäten. Im Gegenteil, diese verfolgen keine implizite Richtungsvorgabe im Sinne einer „richtigen“ und „falschen“ Zielsetzung, sondern zeigen Möglichkeiten und Konsequenzen unterschiedlicher Wege der Zielerreichung auf. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir ausdrücklich inhaltliche Auseinandersetzungen, die zur Überprüfung und Weiterentwicklung unserer Curricula beitragen. Diese tragen damit auch ganz entscheidend dazu bei, dass unsere Studierenden lernen, sich eigene Meinungen und Standpunkte zu erarbeiten und diese zu vertreten.

Die Hochschulen und Universitäten sind allen ihren Studierenden verpflichtet und darum bemüht, sie durch eine ausgezeichnete Ausbildung auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen einer gesamtgesellschaftlich verantwortlichen Waldwirtschaft vorzubereiten. Dies bedeutet, dass ein forstliches Studium möglichst breit angelegt ist und auf der Basis eines gesicherten Fachwissens ein möglichst vielfältiges Instrumentarium zur Lösung spezifischer Probleme und zur Erfüllung unterschiedlichster Anforderungen an den Wald vermitteln sollte. An diesem Ziel orientieren wir unsere Ausbildungsinhalte und entwickeln die Studiengänge stetig weiter.

In die Weiterentwicklungs- und Qualitätssicherungsprozesse unserer Studiengänge, z. B. im Rahmen von Akkreditierungen, integrieren wir grundsätzlich verschiedenste Interessensgruppen des Waldes und Vertreter*innen möglichst vieler potentieller Beschäftigungsfelder unserer Absolvent*innen. Selbstverständlich auch solche aus dem Bereich der Ökologie, des behördlichen Naturschutzes und des Verbandsnaturschutzes. Eine externe Einflussnahme auf diesen Prozess wie z. B. durch die Förderung von Stiftungsprofessuren, die mit der Auflage verbunden ist, einen neuen Studiengang einzurichten und dessen inhaltliche Ausrichtung vorgibt, lehnen wir hingegen grundsätzlich ab.

Positionen in einem offenen Dialog austauschen

Wie jeder andere Wissenschaftsbereich lebt auch die waldbezogene Forschung und Lehre kontinuierlich von neuen Kenntnissen und Erfahrungen. Deren Kommunikation ist im Hinblick auf die verschiedenen und zum Teil kontrastierenden Anforderungen der Gesellschaft an den Wald, und den Umgang mit Unsicherheiten, die sich durch die Klimaänderungen ergeben, eine große Herausforderung. Voraussetzung dafür ist ein offener und argumentativer Dialog der den wissenschaftlichen Diskurs belebt. Das bedeutet zu differenzieren statt zu vereinfachen, Argumente auszutauschen und Respekt für die Meinung des/der anderen zu haben, statt die eigene Auffassung zur einzigen Wahrheit zu erheben und erfordert ein Ringen um ausgewogene Lösungen, was einfache Patentrezepte ausschließt. Das alles ist mühsam, aber entspricht unserem Auftrag und dem Wesen von Wissenschaft und akademischer Lehre. Wir laden den Verlag Gruner&Jahr dazu ein, dies an unseren Standorten zu erleben und sich ein eigenes Bild davon zu machen, wofür wir wirklich stehen – für Pluralismus, kritische Reflexion und Evidenz rund um den Wald.

Dresden, Eberswalde, Erfurt, Freiburg, Göttingen, München, Rottenburg, Weihenstephan im März 2021 gez.

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Institut für Forstwissenschaften

Fachhochschule Erfurt (FHE), Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forstwirtschaft

Georg-August-Universität Göttingen, Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen (HAWK), Fakultät Ressourcenmanagement Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR)

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), Fachbereich für Wald und Umwelt, Studiengangsleitung Forstwirtschaft

Hochschule Weihenstephan?Triesdorf (HWT), Fakultät für Wald und Forstwirtschaft

Technische Universität Dresden, Fachbereich Forstwissenschaften

Technische Universität München, Studienbereich Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement

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