Hilfspakete im Vergleich: Deutschland besser als USA und Italien, aber schlechter als Japan und China

Kearney Expertinnen und Experten haben die Rettungspakete von Deutschland, Frankreich, Italien, den USA, China und Japan analysiert und sie in einer Matrix angeordnet: In welcher Wirtschaftsphase setzen sie an und wie transformativ sind sie angelegt in Bezug auf die gesamte Wirtschaft?

„Uns hat vor allem interessiert, wie sich die untersuchten Länder im Laufe der Zeit bewegen würden“, erklärt Nils Kuhlwein, Kearney Partner und Leiter Restrukturierung. Er und sein Team kategorisierten die meisten frühen Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder Notfallkredite als nichtstrukturell, sondern als Finanzspritzen, die also erst einmal „das Schlimmste verhindern“ sollten – vor allem in den besonders stark betroffenen Bereichen Luftfahrt, Tourismus und Gastronomie. Die Maßnahmenpakete in Deutschland, Italien, Frankreich, China, Japan und den USA unterschieden sich vor allem anhand ihrer Größe:

Während China (Stand September; jeweils die Summe aus direkter finanzieller Unterstützung und Krediten) ein Volumen in Höhe von 4,5 Prozent seines BIPs freigegeben hat (675 Milliarden US-Dollar), sind es in den USA knapp ein Viertel (4,4 Billionen US-Dollar), in Frankreich knapp 30 Prozent (über 700 Milliarden US-Dollar), in Deutschland etwa 30 Prozent (etwa 1 Billion US-Dollar), in Japan etwa 45 Prozent (2 Billionen US-Dollar) und in Italien sogar fast die Hälfte des BIPs (1 Billion US-Dollar).

Überall sind die Maßnahmen umfangreich – und dennoch konzentrieren sich einige Länder inzwischen weniger auf kurzfristige Erleichterungen, als vielmehr auf transformative Programme, mit deren Hilfe die Wirtschaft langfristig profitieren soll. Das italienische Konjunkturpaket besteht fast ausschließlich aus Liquiditätsspritzen in Form von Krediten für Unternehmen und ist eher noch als akutes Feuerlöschen denn als Umbaumaßnahme zu verstehen. Japan teilt die 2,2 Billionen US-Dollar auf in den Schutz von Arbeitnehmern und Unternehmen sowie in den Wiederaufbau einer widerstandsfähigen Wirtschaftsstruktur. Die USA sind noch nicht in der strukturellen Erholungsphase angekommen, da sie seit Längerem über ein neues Hilfspaket diskutieren, dieses aber noch nicht verabschiedet haben. Im deutschen Paket machen Kredite von einer Billion Euro einen großen Teil des Programms aus; in Frankreich ist es jeweils etwas mehr als die Hälfte, die in Liquiditäts- und Garantiemaßnahmen fließt. China hat zuletzt Investitionen in „neue Infrastrukturen“ wie 5G und Smart Transportation beschlossen und will Steuererleichterungen für Verbraucherdienstleistungen und den Kauf umweltfreundlicher Autos verlängern.

Ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war Astrid Latzel, Kearney Partnerin und Leiterin Private Equity. „Ich sehe in diesem Zusammenhang insbesondere einige der branchenspezifischen Maßnahmen als aufschlussreich,“ sagt sie. So will Deutschland beispielsweise über ein Drittel seines Gesamtplans von 150 Milliarden US-Dollar im Automobilsektor für umweltfreundliche Mobilitätstechnologien wie klimafreundliche Fahrzeuge und im Bereich Infrastruktur in den öffentlichen Verkehr investieren. Im Bereich Kommunikation investieren vor allem die USA und China stark in digitale Infrastruktur, zum Beispiel in Breitbandinternet und 5G. Um Verbraucher und Einzelhandel zu stützen, verabschiedete Italien sich von einigen Schutzklauseln und Verbrauchssteuern und Frankreich setzte einen 21 Milliarden US-Dollar schweren Rettungsplan für den Tourismussektor auf. Um erneuerbare Energien voranzutreiben, hat die EU einen Zweijahresvorschlag in Höhe von 880 Milliarden US-Dollar abgegeben, mit dem unter anderem Solarenergie und die Sanierung von Gebäuden gefördert werden soll. In Deutschland fließen 46 Milliarden US-Dollar in nachhaltige Investitionen, zum Beispiel in „grünen Wasserstoff“. Italien erhöht seinen Ökobonus bei der energetischen Gebäudesanierung.

Im Hinblick auf die vier Kriterien Hinlänglichkeit, Aktualität, Wirksamkeit und Relevanz bewerten Kuhlwein und Latzel die Hilfspakete von Deutschland und Frankreich als mittel, die von China und Japan als höher und die von Italien und den USA als niedriger.

„Interessant werden nun die kommenden Monate und Jahre, in denen deutlich wird, wie die Länder ihre Schuldenberge angehen wollen“, sagt Nils Kuhlwein. Zum Teil hat sich die Staatsverschuldung jetzt schon um 20 bis 25 Prozentpunkte erhöht, was den Spielraum für politische Entscheidungsträger stark einschränkt. Italien hat vorerst eine Steuerreduzierung für kleine Einkommen auf den Weg gebracht, während in Deutschland gerade noch über Steuererhöhungen diskutiert wird. China und die USA versuchen, die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Und das hochverschuldete Japan? „Japan macht vermutlich weiter wie bisher. Das Land hat es bereits gelernt, mit hohen Schulden zu leben.“

Pressekontakt:

Michael Scharfschwerdt
Kearney
Director Marketing & Communications

Charlottenstraße 57
10117 Berlin
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mailto:Michael.Scharfschwerdt@kearney.com

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