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Iigfädlet ? Fabrikanten&Manipulanten

Das Textilmuseum St. Gallen eröffnet am 29. April 2017 die Ausstellung Fabrikanten & Manipulanten, die sich der Geschichte der Ostschweizer Textilwirtschaft und ihren Protagonisten widmet. Die Schau ist Teil von iigfädlet ? Ostschweizer Textilgeschichte, einem Gemeinschaftsprojekt von acht Museen aus der Region.
Der Ausstellungstitel irritiert ? was hat fabrizieren mit manipulieren zu tun? Die Frage klärt sich gleich zu Beginn, denn die Ausstellung Fabrikanten & Manipulanten beschäftigt sich mit der Rolle der Arbeiter, Entwerfer, Erfinder, Unternehmer und eben auch Manipulanten in der Ostschweizer Textilproduktion. Ihre wechselvolle, oft auch schwierige Geschichte illustrieren Stickereien und Stoffe vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, ergänzt durch Maschinen, Fotografien, Archivmaterial und Medien. Eine Galerie von Kleidern vom Biedermeier bis heute bildet den Schluss der Ausstellung.
?Die Stickereien ? vor allem die berühmte ?St. Galler Spitze? ? wirken bis heute unglaublich luxuriös?, meint Michaela Reichel, Direktorin des Textilmuseums St. Gallen. Zu leicht vergisst man, in welchen Mengen hier seit dem Mittelalter hochprofessionell und arbeitsteilig Textilien produziert und exportiert wurden. Der Erfolg der Ostschweizer Textilindustrie ist dem reibungslosen Zusammenspiel der an der Herstellung beteiligten Menschen zu verdanken.
Jeder Gruppe kommt bei der Produktion von Textilien eine genau definierte Rolle zu: Die Unternehmer stellen die Produktionsmittel bereit, entscheiden über die strategische Ausrichtung und sind für Vermarktung und Verkauf der Textilien zuständig. Der Entwerfer und seine Dessins tragen entscheidend zur Konkurrenzfähigkeit und dem Verkaufserfolg der Produkte bei, die sich auf dem schnelllebigen und launischen Markt der Moden behaupten müssen. Die Findigkeit und Innovationskraft der Handwerker, Tüftler und Ingenieure, die ständig neue Maschinen und Verfahren entwickeln, schaffen die Voraussetzung für die maschinelle Produktion der eleganten Stickereien. Letztendlich sind es jedoch die Heerscharen namenloser Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken oder in Heimarbeit, die die begehrten St. Galler Stickereien in grossen Mengen produzieren.
Im Laufe der Jahrhunderte sieht die Branche wiederholt mit Herausforderungen in Form von sozialen und politischen Umwälzungen, Wirtschaftsflauten oder internationalen Konflikten konfrontiert. Auf Dauer behaupten kann sich nur, wer angemessen auf die Anforderungen des Markts reagiert und geeignete Strategien zur Überwindung der Krisen entwickelt. Das Verhältnis der am Produktionsprozess beteiligten Gruppierungen gestaltet sich nicht immer konfliktfrei. Die Zusammenarbeit unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel und ist lange Zeit von Ungleichheit und Abhängigkeiten gekennzeichnet. Absatzkrisen treffen die Arbeiter, insbesondere die Heimarbeiter, weit mehr als die wohlhabenden Unternehmer. Trotz allem sichern das über Jahrhunderte etablierte System und seine Traditionen den Erfolg der Ostschweizer Textilindustrie bis auch hier die globalen Mechanismen des 20. und 21. Jahrhunderts greifen.
?Berühren erwünscht? gilt nun auch in dieser Ausstellung des Textilmuseums: ?Uns ist es wichtig, den Besucherinnen und Besuchern neben den Fakten sinnliche Erlebnisse, ein Gefühl für die Qualität der Textilien, zu vermitteln? meint Annina Weber, Kulturvermittlerin am Textilmuseum. Stoffproben und Stickereimuster dürfen in der Ausstellung nach Lust und Laune untersucht werden. Weber weiss aus Erfahrung, dass diese ?begreifbaren? Hands-On Objekte besonders bei Kindern und Jugendlichen gut ankommen. Aber auch Erwachsene können sich ihnen kaum entziehen.
Die Ausstellung Fabrikanten & Manipulanten ist Teil von iigfädlet ? Ostschweizer Textilgeschichte, einem Gemeinschaftsprojekt von acht Museen aus der Region Ostschweiz. Während die anderen am Projekt teilnehmenden Ausstellungen im Herbst 2017 schliessen, bleibt Fabrikanten & Manipulanten im Textilmuseum danach weiter zu sehen. Konzipiert wurde die Ausstellung von Ursula Karbacher und Michaela Reichel.
Iigfädlet ? Fabrikanten & Manipulanten
Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen ab 29.4.2017
Konzept: Michaela Reichel, Ursula Karbacher
Szenografie: Bernhard Duss, Andrea Vogel
Grafik: Büro Sequenz
Katalog
Zum Projekt erscheint der Katalog iigfädlet, der Beiträge über alle acht Ausstellungen enthält und direkt in den Museen oder über den Appenzeller Verlag zu beziehen ist.
Veranstaltungen
Fabrikanten & Manipulanten wie auch die anderen Ausstellungen von iigfädlet werden von Vorträge, Führungen, Workshops, Lesungen und anderen Veranstaltungen begleitet. Das Programm kann online abgerufen werden.
www.textilmuseum.ch/category/veranstaltungen/
www.iigfaedlet.ch/home/#veranstaltungen

Die Sammlungen des Textilmuseums und der Textilbibliothek St. Gallen gehen in ihren Ursprüngen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und stehen in der Tradition der Gewerbemuseen und Mustersammlungen, die in jener Zeit europaweit gegründet werden. Sie sollen der Industrie als Inspiration und Vorbild dienen und den „guten Geschmack“ bilden.
1863 beginnt das Kaufmännische Directorium – die Vereinigung der St. Galler Kaufleute – gezielt, weltweit Mustervorlagen für die heimischen Produzenten zu sammeln, und baut den bereits existierenden Bestand systematisch aus. Im Jahr 1878 kommt es zur Gründung des Textilmuseums, das ab 1886 über ein eigenes Gebäude, den „Palazzo Rosso“ im Zentrum von St. Gallen, verfügt. Den Bau muss es sich zunächst mit der Zeichenschule und der sich bis heute im Haus befindlichen Textil-bibliothek teilen. Die Museumssammlung wird im Laufe der Zeit durch Ankäufe, vor allem aber auch durch Schenkungen bedeutender Privatsammlungen und Archive der Textilindustrie erweitert. Seinem Gründungsgedanken, Quelle der Inspiration für Entwerfer und Designer zu sein, fühlt sich das Haus bis heute verpflichtet.
Textilien, Musterbücher, Entwurfszeichnungen und Archivalien zeichnen die facetten-reiche Geschichte der Schweizer Textilindustrie, ihre Höhen und Tiefen von den Anfängen bis in die Gegenwart nach. Internationalität und regionale Verwurzelung, flexible Reaktion auf Impulse von aussen und eigenständige Entwicklungen charakter-isieren die Branche von Beginn an. Die Verortung in diesem Gespinst aus Inputs, eigener Kreativität und weltweiten Wechselwirkungen sieht das Textilmuseum St.Gallen als wesentliche Aufgabe, der es sich in Form von Ausstellungen, Veran-staltungen und Publikationen widmet. So erwarb sich das Haus den Ruf, eines der wichtigsten Schweizer Zentren zu Fragen der Textilproduktion im Kontext allgemein kulturhistorischer Entwicklungen zu sein. Ausgehend von seinem eigenen Sammlungs-bestand stellt es über den geografischen Raum Schweiz hinaus internationale Bezüge her und zeigt Abhängigkeiten und kreative Sonderentwicklungen auf.

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