Internationaler Tag der Kinderrechte: Fakten zur Situation in Deutschland

Im Jahr 2018 waren 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche in
Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Vergleich zum Vorjahr
waren das 6 % weniger. Gleichzeitig haben die Jugendämter bei rund 50 400
Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung aufgrund von Gewalt oder
Vernachlässigung festgestellt, 10 % mehr als 2017. Anlässlich des
Internationalen Tages der Kinderrechte am 20. November 2019 trägt das
Statistische Bundesamt (Destatis) exemplarisch Fakten zur Situation der rund
13,6 Millionen minderjährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland für das
Jahr 2018 zusammen.

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Am 20. November 1989 – also vor 30 Jahren – hat die Generalversammlung der
Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes angenommen: die
UN-Kinderrechtskonvention. Sie besteht aus insgesamt 54 Artikeln, die
minderjährigen Kindern und Jugendlichen grundlegende Schutz-, Förder- und
Beteiligungsrechte zusichern. Unter anderem ist dort das Recht auf Familie,
Fürsorge und ein sicheres Zuhause festgehalten. Auch wenn der Großteil der
Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit mindestens einem Elternteil in einer
der rund 8,0 Millionen Familien zusammenwohnt, ist dies nicht für alle Kinder
selbstverständlich.

Das Recht auf eine Familie, Fürsorge und ein sicheres Zuhause

Wird ein Kind vorübergehend oder dauerhaft von seiner Familie getrennt, sichert
die Kinderrechtskonvention den Betroffenen verschiedene alternative Formen von
Betreuung zu. So waren 95 000 Kinder oder Jugendliche im Jahr 2018 in einem Heim
untergebracht. Weitere 81 400 Kinder oder Jugendliche lebten in einer
Pflegefamilie, darunter 28 % in Verwandten- und 72 % in Fremdpflege. Können,
dürfen oder wollen die Eltern das Kind nicht selbst groß ziehen, besteht –
sofern dies dem Kindeswohl dient – die Möglichkeit einer Adoption: Von den rund
3 700 Adoptionen im Jahr 2018 wurde der Großteil, (61 %) von Stiefeltern
vorgenommen. In 171 Fällen (5 %) handelte es sich um eine internationale
Adoption.

Recht auf Leistungen der sozialen Sicherheit und angemessene Lebensbedingungen

In Artikel 26 und 27 der UN-Kinderrechtskonvention ist zudem das Recht jeden
Kindes auf einen Lebensstandard festgehalten, der ihn in seiner körperlichen und
sozialen Entwicklung fördert. Nach der EU-weiten Haushaltserhebung EU-SILC
(European Survey on Income and Living Conditions) waren in Deutschland im Jahr
2018 mit 17,3 % etwas weniger Kinder und Jugendliche von Armut und sozialer
Ausgrenzung bedroht als im Vorjahr (18,0 %) – es konnten sich auch wieder mehr
Haushalte mit Kindern eine einwöchige Urlaubsreise leisten: Während 2017 noch
15,5 % der in Haushalten mit Kindern lebenden Personen angaben, dass dies für
sie finanziell nicht möglich sei, waren es zuletzt 13,4 % dieser Personen.

Schutz vor Gewalt, Misshandlung, Missbrauch und Verwahrlosung

Nach der UN-Kinderrechtskonvention stehen Kinder unter dem besonderen Schutz des
Staates. Im Jahr 2018 haben die Jugendämter in Deutschland im Rahmen ihres
Schutzauftrages bei rund 50 400 Kindern und Jugendlichen eine
Kindeswohlgefährdung aufgrund von Vernachlässigung, psychischer, körperlicher
oder sexueller Gewalt festgestellt – das waren 10 % mehr als im Vorjahr. 2018
wurden in diesem Zusammenhang auch mehr Minderjährige in Deutschland zu ihrem
Schutz in Obhut genommen: In rund 6 200 Fällen haben die Jugendämter Kinder oder
Jugendliche aufgrund von Misshandlungen, in 6 000 wegen Vernachlässigungen und
in 840 Fällen aufgrund von sexueller Gewalt zu ihrem Schutz vorübergehend in
Obhut genommen. Weil eine Gefährdung des Kindeswohls anders nicht abzuwenden
war, haben die Familiengerichte 2018 zudem in rund 7 500 Fällen einen
vollständigen und in weiteren 8 500 Fällen einen teilweisen Entzug der
elterlichen Sorge angeordnet.

Die vollständige Pressemitteilung sowie weitere Informationen und Funktionen
sind im Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter
https://www.destatis.de/pressemitteilungen zu finden.

Weitere Auskünfte:
Pressestelle,
Telefon: +49 (0) 611 / 75 34 44,
www.destatis.de/kontakt

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