Berlin, 31. März 2026 – IRIS, eine auf den Digital- und Technologiesektor spezialisierte europäische Venture-Capital-Gesellschaft, hat ihre großangelegte Studie über die Investitionslandschaft in Deutschland und Frankreich zum dritten Mal in Folge veröffentlicht. Die Untersuchung zeigt: KI spielt in den größten VC-Runden in Deutschland und Frankreich eine zentrale Rolle – jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
In Deutschland entfielen 283 Finanzierungsrunden auf KI-bezogene Unternehmen, was 40 % der Top-VC-Deals im Jahr 2025 entspricht – ein Anstieg von 7,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In zwölf großen KI-Deals flossen insgesamt 1,930 Milliarden Euro. Rund die Hälfte dieser Unternehmen positioniert KI als Kernprodukt, während die andere Hälfte KI als Funktion innerhalb übergreifender Plattformlösungen integriert.
Führende Unternehmen mit KI als Kernprodukt konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Verteidigung, Sicherheit, Robotik und Deeptech-Infrastruktur. Beispiele wie Black Forest Labs und Helsing zeigen, wie eng KI mit physischen Systemen, Autonomie und realen Einsatzszenarien verknüpft wird. Insgesamt zeichnet sich ein klares Muster ab: KI wird in Deutschland primär als Enabler für industrielle Anwendungen und physische Systeme verstanden – weniger als eigenständiges Softwareprodukt.
Die IRIS-Studie zeigt zugleich, dass Frankreich sich zunehmend als europäisches Zentrum für den Aufbau von KI-Infrastruktur positioniert. Auch dort waren rund 40 % der größten Finanzierungsrunden KI-bezogen; in elf großen KI-Deals flossen insgesamt 2,338 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Zahl der KI-Investitionsrunden im Jahr 2025 auf 118 und lag damit 24,4 % unter dem Vorjahresniveau.
Der entscheidende Unterschied zu Deutschland liegt in der strategischen Rolle von KI innerhalb der Geschäftsmodelle. In 64Prozent der VC-Runden wird KI als Kernprodukt positioniert, während 36Prozent KI primär als Feature integrieren – insbesondere in SaaS-, Enterprise- und branchenspezifischen Softwarelösungen. Zentraler Akteur bleibt Mistral AI, dessen großvolumige Finanzierungsrunden die Kapitalverteilung auf Foundation Models, Rechenkapazitäten und souveräne KI-Infrastruktur lenken.
Deutschland im Detail: Starke Investitionsbereitschaft bei KI-Robotik
Ein differenzierter Blick auf die Sektorverteilung zeigt, dass sich KI-Investitionen in Deutschland breit über verschiedene Branchen erstrecken. Rund 91 Prozent der Sicherheits- und 94 Prozent der Robotikfinanzierungen entfielen voriges Jahr auf KI-getriebene Projekte; 586 Millionen Euro flossen in diesen Bereich. Mit rund 69 Prozent ist KI auch in der Enterprise-Software stark vertreten. Auch Branchen wie Medien (84 %), Legal (83 %) und Marketing (60 %) weisen trotz geringerer Gesamtvolumina eine hohe KI-Orientierung auf. Dagegen bleibt der KI-Anteil in Gesundheit (15 %), Fintech (14 %) und Energie (11 %) vergleichsweise niedrig; hier wird KI vor allem als Effizienz- und Automatisierungstreiber eingesetzt und seltener als zentrale Wertschöpfungskomponente.
Frankreich im Detail: 84 Prozent der KI-Investments für B2B-SaaS-Lösungen
In Frankreich hingegen bildet Enterprise-Software das Rückgrat der KI-Finanzierung: Rund 1,995 Milliarden Euro der insgesamt 2,374 Milliarden Euro KI-Investments (84 %) flossen 2025 in B2B-SaaS- und Workflow-Lösungen. Auch Robotik und Medien weisen sehr hohe KI-Anteile auf (89 % bzw. 96 %), wobei KI in diesen Segmenten häufig selbst das zentrale Produkt darstellt. Der Gesundheitssektor gewinnt an Dynamik (24 %), insbesondere in den Bereichen klinische Automatisierung, Diagnostik und Biologiemodelle. Im Fintech-Sektor wird KI selektiv eingesetzt (18 %), vor allem für Betrugserkennung, Scoring und Compliance, während der Sicherheitsbereich trotz geringerer Dealzahl eine hohe KI-Intensität aufweist (44 %).
Thorben Rothe, Partner bei IRIS, erklärt: „Für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit wird es essenziell sein, KI stärker als skalierbare Kerntechnologie zu begreifen – nicht nur als Feature innerhalb etablierter Lösungen. Die französische Investitionsdynamik zeigt anschaulich, welches Wachstumspotenzial entsteht, wenn Kapital gezielt in KI-native Geschäftsmodelle und grundlegende Technologiekompetenzen fließt. Langfristig dürfte die internationale Wettbewerbsfähigkeit davon abhängen, industrielle KI-Stärken konsequent mit skalierbaren Produkt- und Plattformansätzen zu verbinden und Innovation über einzelne Anwendungsfelder hinaus zu entwickeln.“
Zur Methodik
Die präsentierten Daten, die von den Experten von IRIS auf Basis jahrzehntelanger Early-Stage- und Growth-Expertise aufbereitet wurden, beruhen auf einem Datenauszug vom 9. Januar 2026 und beruhen ausschließlich auf Informationen von Dealroom. Wie bei allen privaten Marktdaten bestehen methodische Einschränkungen; die Ergebnisse sollten entsprechend interpretiert werden. Unternehmen wurden nach Gründungsort oder aktuellem Hauptsitz in Deutschland oder Frankreich zugeordnet.