Kommentar von Rolf Eckers zum Euro: Symbol für ein Europa, das stark sein kann

Sie waren groß, die Ängste vor dem Euro. Nach der harten
D-Mark komme jetzt eine Weichwährung, so hieß es. Der Euro werde ein Teuro. Fast
zwei Jahrzehnte ist das her. Mit Beginn des Jahres 2020 haben wir die neue
Währung 18 Jahre im Portemonnaie - der Euro feiert seine Volljährigkeit.
Und wie fällt die Bilanz aus? Ganz schön positiv, auch wenn Populisten und
Nationalisten das ganz anders beurteilen. Die überwältigende Mehrheit der
Europäerinnen und Europäer kann sich Europa ohne Euro gar nicht mehr vorstellen,
zu überzeugend sind die Vorteile beim grenzüberschreitenden Bezahlen. Der Euro
ist zum Symbol für die Einheit Europas geworden. Alle Länder profitieren von der
gemeinsamen Währung, allen voran Deutschland. Gäbe es die D-Mark noch, hätte es
die heimische Exportwirtschaft deutlich schwerer, denn die nationale Währung
wäre aufgewertet worden, ausländische Kunden müssten für deutsche Produkte mehr
bezahlen. Hinzu kommen die stabilen Preise. Die Inflation war seit Einführung
des Euro geringer als zu Zeiten der D-Mark. Deshalb stimmt es auch nicht, dass
die deutschen Sparer durch eine angeblich falsche Niedrigzinspolitik der
Europäischen Zentralbank (EZB) enteignet werden. Tatsache ist, dass die
Realzinsen früher auch nicht höher lagen als heute. Die Zinsen der EZB sind
deshalb so niedrig, weil im Euroraum zu viel gespart und zu wenig investiert
wird. Außerdem: Auch wenn–s richtig eng wird, ist die EZB handlungsfähig. Auf
dem Höhepunkt der Finanzkrise beruhigte ihr Chef Mario Draghi die Märkte
nachhaltig mit seiner Ankündigung, die Zentralbank werde alles Nötige tun, um
den Euro zu erhalten -“whatever it takes”. In einem Punkt haben die Skeptiker
allerdings recht: Dem Euro fehlt ein politischer Rahmen, der für klare
Strukturen sorgt. Um den beiden Weltmächten USA und China Paroli bieten zu
können, muss Europa mit einer Stimme sprechen, insbesondere bei möglichen
Handelskonflikten. Solche Probleme kann die EZB mit ihrer Geldpolitik nicht
lösen. Eine bessere Abstimmung ist auch notwendig, wenn es um Investitionen in
Infrastruktur und Klimaschutz geht. Was heute in nationaler Verantwortung
geregelt wird, muss zentral aus Brüssel gesteuert werden. Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron hat schon vor längerer Zeit ein entsprechendes Konzept auf den
Tisch gelegt. Die Reaktionen aus Berlin reichen von kühl bis ablehnend. Zu groß
ist die Befürchtung, der AfD noch größere Sympathien zu verschaffen. Aber ist
die Angst der Deutschen vor noch mehr Europa tatsächlich so groß? Wir sollten
uns endlich der Diskussion stellen, ob wir die Vereinigten Staaten von Europa
wollen.

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