Kommunen sind offen für digitale Zukunft in der Finanzverwaltung / Kämmerer-Umfrage

Kommunalkredite werden verstärkt digital abgewickelt:
Mehr als drei Viertel der Kämmerer in Deutschland nutzen bereits
internetbasierte Finanzierungsplattformen bzw. möchten in Zukunft
verstärkt auf onlinegestützte Ausschreibungen setzen. Das ergibt eine
aktuelle Studie zum Finanzierungsverhalten der Kommunen, die das
Fintech Loanboox in Zusammenarbeit mit der TUM School of Management
an der Universität München durchgeführt hat.

Für die Studie wurden mehr als 100 kommunale Finanzverantwortliche
aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt befragt. Die
Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass die meisten Kommunen dem
digitalen Wandel in der Finanzverwaltung grundsätzlich offen
gegenüberstehen. Bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen
besteht jedoch noch Verbesserungspotenzial.

Internetplattformen gewinnen an Bedeutung

So setzt die Mehrheit der befragten Kämmerer nach wie vor auf die
herkömmlichen Kanäle zur Kreditausschreibung. Der Großteil der
Befragten (82%) nutzt E-Mails. Am zweithäufigsten wird das Telefon
genannt (68,9%). Auch das Fax ist in Deutschlands Rathäusern nach wie
vor beliebt. Knapp jeder dritte Kämmerer nutzt diesen analogen
Ausschreibungskanal, um Kredite bei Banken anzufragen. Dicht dahinter
folgen allerdings schon Internetplattformen. 15 Prozent haben bereits
ein oder mehrere Darlehen über eine derartige Finanzierungsplattform
ausgeschrieben. 61 Prozent können sich eine onlinegestützte
Ausschreibung über einen digitalen Marktplatz grundsätzlich
vorstellen. Im Vergleich zu früheren Erhebungen* ist dieser Anteil
deutlich gestiegen.

Interessant ist, dass die Antworten der Kämmerer von Bundesland zu
Bundesland variieren. Von den 24 Prozent, für die in absehbarer Zeit
eine Nutzung von Finanzierungsplattformen nicht in Frage kommt,
stammen zum Beispiel drei Viertel aus den finanzstarken Bundesländern
Bayern und Baden-Württemberg.

Kommunen sehen keine regulatorischen Hürden

71 Prozent der Befragten haben keinerlei Bedenken in Bezug auf
Internetplattformen. Stattdessen sind es eher praktische und
politische Fragen, die in einigen Kommunen noch für Zurückhaltung
beim Einsatz von digitalen Kreditausschreibungen sorgen. Als Hürden
sehen die kommunalen Finanzverantwortlichen neben fehlenden
Erfahrungswerten unter anderem konservative Verwaltungsmechanismen
und mangelnde politische Akzeptanz, etwa im Stadtrat.

Steigender Fremdkapitalbedarf erwartet

Jede zweite Kommune erwartet einen steigenden Fremdkapitalbedarf.
Dabei gibt es je nach Region große Unterschiede. Während in
Baden-Württemberg mehr als die Hälfte der Kommunen von einem erhöhten
Fremdkapitalbedarf ausgeht, sind es in Nordrhein-Westfalen nur zwei
von elf Kommunen. Begründet wird der erhöhte Fremdkapitalbedarf in
Baden-Württemberg mit geplanten oder schon beschlossenen
Investitionen.

*z.B. DNK-Panel von Mai 2018.

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