Mittelbayerische Zeitung: Kommentar „Mittelbayerische Zeitung“ (Regensburg) zu Schlecker: „Späte Genugtuung“ von Katrin Wolf

Der Prozess gegen Anton Schlecker ist für die
ehemaligen Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriekette wichtig. Er
hilft ihr, mit dem Erlebten abzuschließen. Finanzielle
Entschädigungen haben die Schlecker-Frauen nie gesehen. Auch wenn es
zu einem Schuldspruch kommen sollte, ist das höchst unwahrscheinlich.
Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Vielen würde auch eine
Entschuldigung Anton Schleckers schon das Gefühl geben, nicht
vergessen worden zu sein. Sie müssen damit leben, dass der Betrieb,
für den sie zum Teil jahrzehntelang gearbeitet haben, möglicherweise
mit Absicht in die Insolvenz gebracht wurde. Nicht alle hatten so
viel Glück wie Eva Demetz und Christine Gansbühler, die beide eine
adäquate neue Stelle gefunden haben. Viele sind in Hartz IV
gerutscht, andere arbeiten jetzt zu schlechteren Konditionen. Die
meisten Schlecker-Frauen gehören Gruppen an, die es auf dem
Arbeitsmarkt schwer haben. Wenn sie durch den Prozess noch einmal
Aufmerksamkeit erfahren, ist schon viel gewonnen.

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