Mittelbayerische Zeitung: Trump spielt mit dem Feuer. Der US-Präsident droht im Handelsstreit mit China mit Strafzöllen – aber am Ende wird er wohl wieder klein beigeben. Von Thomas Spang

Der US-Präsident spielt im Handelsstreit mit
China einmal mehr mit dem Feuer. Aus heiterem Himmel drohte er der
Volksrepublik mit neuen Strafzöllen, die Konsumgüter im Wert von 300
Milliarden US-Dollar mit einer Einfuhrsteuer von zehn Prozent
belegen. Diesmal könnte er sich kräftig verspekuliert haben. Denn die
Zölle treffen die Führung in Peking weniger als seine eigene
Wählerklientel, die von billigen Produkten aus China abhängig ist.
Ausgerechnet zur Weihnachtssaison, wenn der amerikanische
Einzelhandel bis zu 80 Prozent seines Jahresumsatzes macht, drohen
die Preise zu klettern. Ob Smartphones oder Spielzeuge, Schuhe oder
Textilien – die Konsequenzen seiner Handelspolitik werden sich nicht
mehr verstecken lassen. Ungemach droht auch den amerikanischen
Farmern, die auf ihren Sojabohnen sitzenbleiben. Ohne die von China
in Aussicht gestellten Großeinkäufe drohen die Preise noch weiter
wegzubrechen. Da helfen die neuen Erleichterungen der EU bei der
Einfuhr von Rindfleisch aus den USA wenig. Eine Kommandowirtschaft
wie die chinesische kann amerikanischen Unternehmen zudem schweren
Schaden zufügen, ohne die Zölle ihrerseits anzuheben. Mit
unangemeldeten Inspektionen, bürokratischen Auflagen und
Behördendruck hat Peking ein schier grenzenloses Sanktionspotenzial
gegen US-Interessen. All das bedroht das ohnehin schon verlangsamte
Wachstum in den USA. Wie groß die Sorge darüber ist, zeigen die
Reaktionen der Märkte. Der Dow Jones Index blickt auf die
schlechteste Woche seit Jahresbeginn zurück. Die Ölpreise sackten ab
und die Anleihemärkte spielen verrückt. Donald Trump mag vor seinen
Anhängern kraftmeiern, dass er die Chinesen so lange zur Kasse bitten
wird, bis sie sich seinen Forderungen beugen. Nüchtern betrachtet
kann er lange darauf warten. Die Zeit spielt Peking in die Hände,
weil die Eskalation des Konflikts ein Abwürgen der Konjunktur im
Wahljahr riskiert. Chinas Präsident Xi findet sich hier in einer
besseren Position wieder. Im Unterschied zu seinem Kollegen in
Washington braucht er auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung keine
allzu große Rücksicht zu nehmen. Weiter geschwächt wird die Position
Trumps durch den nicht ratifizierten Nachfolgevertrag für das
nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. Die Demokraten
blockieren den Vertrag im Kongress, weil sie mit dem ausgehandelten
Paket nicht zufrieden sind. Hinzu kommen die schwelenden
Handelsstreitigkeiten mit den Europäern. Parallel dazu haben die
Handelsströme längst damit begonnen, sich im globalen Maßstab neu zu
organisieren. Sie fließen zunehmend um die USA herum. Je mehr Trump
mit Zöllen droht, desto weiter isoliert er die Supermacht. Jede
Einfuhrsteuer, die erhoben wird, belastet die einheimische
Volkswirtschaft mindestens so sehr wie die ausländischen Produzenten.
Das gilt auch für Trumps Drohung mit Strafzöllen gegen deutsche
Autohersteller oder französische Winzer. Die Zeche zahlen am Ende
amerikanische Unternehmen und Konsumenten. Seine Verhandlungspartner
in Peking und Brüssel wissen, dass auch eine Wirtschaftsmacht wie die
USA Konflikte mit den drei größten Handelspartnern nicht unbeschadet
durchstehen kann. Deshalb können sie das Poltern Trumps gelassen
überhören. Er setzt seine Wiederwahl im kommenden November damit aufs
Spiel. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht nur denkbar, sondern
wahrscheinlich, dass der Präsident nur mit den Strafzöllen droht, am
Ende aber wieder den Schwanz einkneifen wird.

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Mittelbayerische Zeitung
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