„nd.DerTag“: Drohnen gegen Dildos – Kommentar zu den ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und Lagerhäuser in Russland

„nd.DerTag“: Drohnen gegen Dildos – Kommentar zu den ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und Lagerhäuser in Russland
 

Wieder brennt es bei Wildberries. In der Nacht zum Montag griffen ukrainische Drohnen ein Lager des größten Einzelhändlers Russlands in der Nähe von Wladimir an. Seit zwei Wochen geht das so. Mittlerweile sind 12 von 15 der größten Lager des Online-Giganten teilweise oder ganz zerstört.

Nach den (weiter laufenden) Angriffen auf Raffinerien trifft es nun den Handel und damit die Lebensgrundlage von rund 400.000 Menschen in Russland. Offiziell heißt es aus Kiew, man wolle den Nachschub der Armee stören. Mit dem gleichen Argument beschießt Russland bereits länger Postverteilzentren in der Ukraine. Doch an die Armeegeschichte glauben selbst in Kiew nur die treuesten Ideologen.

Das eigentliche Ziel ist es, Unruhe zu stiften, die Menschen in Russland so weit aufzuwiegeln, dass sie sich gegen den immer unpopuläreren Krieg und die Regierung erheben, damit endlich Frieden herrscht.

Aber der Plan wird nicht aufgehen. Bereits die Zerstörung mehrerer Raffinerien und die daraus resultierende Benzinknappheit haben zwar zu langen Schlangen und diversen Prügeleien geführt. Auf das Auto zu verzichten, war dennoch keine Option. Statt wütend auf die Regierung zu werden, suchten viele Menschen eine Strategie, um an Benzin zu kommen.

Auch die Drohnen-gegen-Dildos-Strategie wird ihr Ziel nicht erreichen. Tatsächlich wurden angebrannte Sexspielzeuge an Kunden ausgeliefert. In der Ukraine hat man die „Scheißegal“-Haltung der meisten Russen unterschätzt. Beschwerden gibt es wenige – und die nur im Internet. Gerade einmal jeder zehnte Russe sieht im Wildberries-Dauerbeschuss eine Bedrohung. Der Alltag läuft weiter, auch direkt im Schatten der Rauchwolken brennender Lager, die die Jugend als Hintergrund für ihre Social-Media-Posts entdeckt hat. Die Händler werden hingegen wohl auf den Kosten sitzen bleiben. Der Staat scheint nicht daran zu denken, ihnen unter die Arme zu greifen.

Schon länger leben Staat und Bevölkerung in Russland in Parallelwelten. Der Krieg hat diese Welten noch weiter auseinandergetrieben. Die Menschen wissen, dass sie gegen ihre Regierung und den Krieg, den sie angezettelt hat, nichts ausrichten können. Revolution ist mit ihnen nicht zu machen. Da kann die Ukraine so viele Drohnen schicken, wie sie will.

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