
Großeinsätze der Polizei und Atommülltransporte gehören zusammen wie Ostern und Hasen. Das weiß man auch in Ahaus ziemlich genau. Fast auf den Tag genau 28 Jahre ist es her, dass ein Castor-Transport quer durch Deutschland stattfand und von fast 30.000 Einsatzkräften geschützt werden musste. Damals protestierten auch 12.000 Menschen gegen den Atommülltransport. Die Zahl von 2400 Beamt*innen und ein paar Hundert Demonstrant*innen, die bei der Castor-Neuauflage am Dienstag aktiv waren, mutet dagegen fast lächerlich an.
Seit 1998 haben sich allerdings nicht nur die Zahlenverhältnisse verändert, unter denen die Transporte stattfinden, sondern auch die politischen Rahmenbedingungen. Demonstrant*innen, die sich an Schienen ketteten, sich draufsetzten oder sie unterhöhlten, waren damals die größte Gefahr. Ihre Ziele: Die Transporte verzögern und die Kosten hochtreiben.
Heute sind die Gefahren andere. Eine Drohne die zur fliegenden Bombe aufgerüstet ist, ist für einige Tausend Euro zu haben. Für staatliche Akteure oder Terrorist*innen, die ein Interesse daran haben, Deutschland zu destabilisieren, wären die Castor-Transporte ein attraktives Ziel. Ein von Atomkraftgegner*innen beauftragtes Gutachten geht davon aus, dass die Castoren von Drohnen angegriffen werden können und dies schwerwiegende Folgen für ein betroffenes Gebiet hätte.
Selbst ein harmloseres Szenario, bei dem Drohnen den Transport nur überfliegen und eventuell zur Umkehr zwingen, hätte erhebliche Auswirkungen. Mehr als 50 Transporte sollen noch folgen. Das Restrisiko eines Angriffs oder Unfalls fährt stets mit. Sinn ergibt das alles nicht: Der Atommüll könnte in einem neuen Zwischenlager in Jülich ebenso sicher stehen wie in Ahaus. Die Kosten dafür sind geringer als die Risiken beim Transport.
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