„nd.DieWoche“: Abstoßende Machtelite – Kommentar zur britischen Labour Party und den Epstein-Files

„nd.DieWoche“: Abstoßende Machtelite – Kommentar zur britischen Labour Party und den Epstein-Files
 

Beim Epstein-Skandal geht es längst nicht mehr nur um die sexualisierte Gewalt, die mächtige Männer jungen Frauen aus prekären Verhältnissen angetan haben. Autor Anand Giridharadas umschrieb es im linken TV-Kanal Democracy Now mit den Worten, der Skandal habe den Charakter der Machteliten offenbart. Tatsächlich sind beim verurteilten Sexualstraftäter Epstein Spitzenpolitiker, Banker und Wissenschaftler aus verschiedensten Ländern ein- und ausgegangen. Längst nicht alle waren an Epsteins Vergewaltigungs-Netzwerk beteiligt. Doch alle wollten zu dem erlauchten Kreis gehören, in dem exklusive Informationen zu haben waren.

Eine Schlüsselperson, die der Skandal jetzt zu Fall brachte, ist der Brite Peter Mandelson. Der Sozialdemokrat gehörte sein halbes Leben lang zum inneren Zirkel der Labour Party. Mit Kanzleramtschef Bodo Hombach (SPD) erarbeitete er das berüchtigte Blair-Schröder-Papier, mit dem sich die europäische Sozialdemokratie 1999 zum Neoliberalismus bekannte. Aus den Epstein-Akten ergibt sich nun, dass Mandelson Epstein unter anderem über ein geplantes EU-Rettungspaket informierte. Insider-Wissen, mit dem sich an Börsen Geld verdienen ließ.

Innerparteilich war Mandelson vor allem ein Architekt der Kampagne gegen Jeremy Corbyn. Der Parteilinke Corbyn war 2015 in einer Mitgliederabstimmung zum Labour-Vorsitzenden gewählt worden. Mandelson erachtete es als seine Aufgabe, ihn zu stürzen: „Ich leiste jeden Tag meinen kleinen Beitrag dazu, seine Amtszeit zu beenden.“ Am Ende gelang es den Labour-Rechten mit Unterstützung bürgerlicher Medien, Corbyn als Antisemiten zu denunzieren.

Mittlerweile hat die Labour-Rechte um Keir Starmer die Partei zurückerobert – und zerstört. Die Epstein-Files beweisen, wie tief Starmers Leute in Macht-Netzwerke eingebunden sind. Gegen Mandelson, dessen Lebensgefährte Geld von Epstein erhielt, ermitteln jetzt die britischen Behörden.

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