„nd.DieWoche“: Friedenstaube im Aufwind – Kommentar zu den Schulstreiks gegen den Wehrdienst

„nd.DieWoche“: Friedenstaube im Aufwind – Kommentar zu den Schulstreiks gegen den Wehrdienst
 

Die Ostermärsche waren lange das Aushängeschild der Friedensbewegung. Heute plätschern sie nur noch dahin und haben an Kraft verloren. Mit dem Ukraine-Krieg gab es Streit über die Frage, wie man es mit Russland hält und ob die Ukraine unterstützt werden soll. Die Grünen entfernten sich immer mehr von ihren pazifistischen Wurzeln – fast schien es, als wollten sie sich einen olivgrünen Anstrich verpassen. Friedensbewegte schafften es zuletzt immer weniger, gehört zu werden. Debatten um Krieg und Frieden laufen mittlerweile ohne sie, obwohl die Zeiten immer konfliktreicher werden.

Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Protestformen an Bedeutung. Vor allem Jugendliche setzen Akzente. Als im Dezember das neue Wehrdienstgesetz beschlossen wurde, streikten Tausende Schüler*innen. Ein Vierteljahr später blieben nun erneut mehr als 50.000 dem Unterricht fern und protestierten. Sie fürchten, dass aus der Freiwilligkeit bald wieder eine Wehrpflicht werden könnte. Zudem bemängeln viele, dass das Gesetz über ihre Köpfe hinweg verabschiedet wurde, obwohl sie davon unmittelbar betroffen sind.

Ein Teil der Protestierenden verbindet diese Einwände mit grundsätzlichen Fragen der Sicherheits- und Friedenspolitik. Sie wenden sich gegen eine weitere militärische Aufrüstung, weil sie nicht an einen Frieden durch Abschreckung glauben. Stattdessen betonen sie die Bedeutung diplomatischer Konfliktlösungen. Damit knüpfen ihre Argumente an Positionen der traditionellen Friedensbewegung an – und verschaffen ihnen wieder mehr Gehör.

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